Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Kulturausschuss entscheidet sich für neue Info-Tafel zum Gedenkstein (29.08.2018)

(sp) Lüneburg. Der Kulturausschuss der Stadt hat sich jetzt (24. August 2018) mit großer Einmütigkeit für einen neuen Begleittext zum Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division Am Springintgut entschieden. Der neue Text soll, versehen mit dem Hinweis auf die Hansestadt Lüneburg und die Friedensstiftung Günter Manzke, innerhalb der nächsten Wochen auf einer neuen Tafel präsentiert werden. Diese wird dann deutlich näher zum Gedenkstein aufgestellt werden. Die Entscheidung für den neuen Text fiel einstimmig bei einer Enthaltung von David Amri (Die Linke).

Bereits vor der Sommerpause hatte sich der Ausschuss für Kultur und Partnerschaft (KPA // 8. Juni 2018) mit dem Thema auseinandergesetzt. Auf Vorschlag von Friedrich von Mansberg (SPD) hatte sich der Ausschuss verständigt eine Arbeitsgruppe zu beauftragen, einen neuen Text zu entwerfen. Ihr gehörten neben Mitgliedern des KPA auch Museumsdirektorin Prof. Dr. Heike Düselder sowie Peter Raykowski vom Verein der Verfolgten des Nazi-Regimes/Bund der AntifaschistInnen (VVN/BdA) an. Das Ergebnis waren zwei Entwürfe.

Die Entscheidung fiel für den folgenden Text, der künftig den Gedenkstein vor Ort erläutern wird:

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Ein Veteranenverband errichtete am Wallaufgang 1960 das Denkmal für die 110. Infanterie-Division (I.D.) der deutschen Wehrmacht. Die Einheit wurde 1940/41 im Raum Lüneburg für den Überfall auf die Sowjetunion aufgestellt, der als Angriffs- und Vernichtungskrieg geplant und geführt wurde.

Erinnerungskultur ist zeit- und kontextgebunden. 1960 versprach die Stadt, das Denkmal als „Ehrenmal“ zu bewahren und zu pflegen. Der Gedenkstein ist ein Dokument für den unreflektierten Umgang mit der NS-Vergangenheit, der in den 1960er Jahren noch in vielen Städten und Einrichtungen präsent war. Heute ist er umstritten und ein Stein des Anstoßes – schmerzhaft in seiner Aussage, verletzend für die Nachfahren der Opfer, unverständlich für die nachfolgenden Generationen.

Die 110. Inf.-Div. hat sich neben Kampfhandlungen im Frühjahr 1944 mit anderen Einheiten der Wehrmacht an grausamsten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit u.a. bei Osaritchi (Weißrussland) beteiligt.

Sie verschleppte rund 50.000 Zivilisten und zwar Kinder, Frauen, alte und kranke Menschen nach vorangegangener Deportation in drei Todeslager. Dort wurden mindestens 9.000 Lagerinsassen unmittelbar ermordet oder durch Kälte, Hunger, Krankheit, Durst und Erschöpfung planvoll getötet. Im weißrussischen Osaritschi erinnert seit 2002 eine Denkmalanlage an die zivilen Opfer, die in Lagern der deutschen Wehrmacht in der Umgebung von Osaritschi zu Tode gekommen sind.

„Es hat in Deutschland lange, viel zu lange gedauert, sich an diese Verbrechen zu erinnern. Lange, zu lange haben wir gebraucht, uns zur Verantwortung zu bekennen. Heute besteht die Verantwortung darin, das Wissen um das, was hier geschah, lebendig zu halten.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 29. Juni 2018 in Malyi Trostenez, Weißrussland"