Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

„Seid mutig und hartnäckig“ – Politikerinnen appellieren an Lüneburgerinnen, sich politisch zu engagieren (24.01.2019)

 Sie berichteten aus ihrem politischen Alltag und diskutierten über Defizite in der politischen Gleichberechtigung von Mann und Frau: (v.l.) Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Janine Burkhardt (Die Linke),  Ingrid Dziuba-Busch (CDU), Gisela Plaschka (FDP) und Jule Grunau (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: privat(sp) Lüneburg. Bei der ersten Rede einer Frau vor der Weimarer Nationalversammlung am 19. Februar 1919 wurde die SPD-Abgeordnete Marie Juchacz von den anwesenden Herren ausgelacht  – für junge Politikerinnen wie Jule Grunau (Bündnis 90/Die Grünen) und Janine Burkhardt (Die Linke) heute unvorstellbar. Was ihnen aber noch immer begegnet, sei das Gefühl, als junge Frau im politischen Diskurs nicht immer auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.

Über ihre Erfahrungen als politisch engagierte Frauen tauschten sich die jungen Kommunalpolitikerinnen bei der Abschlussveranstaltung zu 100 Jahren Frauenwahlrecht im Museum Lüneburg mit der Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD) sowie den Kreistagsabgeordneten Ingrid Dziuba-Busch (CDU) und Gisela Plaschka (FDP) aus. Anlässlich 100 Jahren Frauenwahlrecht diskutierten die Politikerinnen mit dem Publikum über die Frage, was bisher erreicht wurde und was noch zu tun ist auf dem Weg zur politischen, sozialen und ökonomischen Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Einig waren sich die Politikerinnen darin, dass man dringend mehr Lüneburgerinnen für politisches Engagement gewinnen müsse. Die derzeit sinkenden Zahlen in den Parlamenten von der Bundes- bis zur Kommunalebene seien nicht länger akzeptabel. Ein Problem sei hier nach wie vor die schwere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Politik. Oft herrschten noch traditionelle Rollenverteilungen vor und Frauen werde der Rücken nicht im gleichen Maße für politisches Engagement freigehalten wie den Männern, sagte Gisela Plaschka. Auch ihr sei damals nahegelegt worden, ihre politischen Ämter niederzulegen, wenn die Kinderbetreuung ein Problem darstelle, erinnerte die Kommunalpolitikerin an die Anfänge ihrer politischen Laufbahn. Plaschka forderte die Unterstützung bei der Kinderbetreuung damals hartnäckig ein und war damit erfolgreich. Ihr Appell an die Frauen lautet heute: „Seien Sie mutig und geben Sie nicht so schnell auf, wenn sich Ihnen ein Hindernis in den Weg stellt.“

Ein weiterer Aspekt, den die Lüneburger Politikerinnen diskutierten, war die Solidarität von Frauen untereinander. Sie treffe bei ihrem politischen Engagement immer wieder auf Frauen, die sich gegenseitig unterstützten, berichtete Janine Burkhardt. Diese Solidarität sei enorm wichtig, um für Frauen etwas zu bewegen, betonte auch Ingrid Dzuiba-Busch. Die Helene Weber Preisträgerin berichtete von dem bundesweiten Netzwerk der Preisträgerinnen, in dem sich die Frauen über bestehende Parteigrenzen hinweg ermutigten und unterstützten: „Wir feiern auch dann gemeinsam Erfolge, wenn die erfolgreiche Frau einer anderen Partei angehört.“

Ein entscheidendes Kriterium für die Gewinnung von Frauen in der Politik sei zudem die aktive Ansprache, betonte Jule Grunau, die selbst so zur Politik kam. Ähnlich erging es Andrea Schröder-Ehlers. Auch sie sei damals angesprochen worden, ob sie sich die Position als Landtagsabgeordnete vorstellen könne. Zwei Jahre leistete Schröder-Ehlers parteiinterne Gremienarbeit, 2008 zog sie in den Landtag ein. Ihr Appell an die Lüneburgerinnen: Warten Sie nicht, bis Sie angesprochen werden, werden Sie selbst aktiv!