Senkung

Das Lüneburger Senkungsgebiet

Das Senkungsgebiet unter Teilen der Altstadt. Eine hochauflösende Karte mit Erklärungen befindet sich im Dokument Karte Erdfall- und Senkungsgebiet von Lüneburg in der rechten Spalte.Unter Teilen der Lüneburger Innenstadt liegt ein großer Salzstock. Der Abbau von tausenden Tonnen Sole jährlich hat Lüneburg vor allem im 15. und 16. Jahrhundert zu Reichtum verholfen.
 
Das messtechnisch überwachte Senkungsgebiet mit einer Größe von 1,8 Quadratkilometern (qkm) erstreckt sich etwa von der Rückseite des Rathauses über die westliche Altstadt bis zum Schildstein und bis Volgershall. Im Norden verläuft der Bereich, in dem messtechnisch Bewegungen erfasst werden, ungefähr entlang der Schomakerstraße und im Süden über die Saline bis zum Postgelände entlang Neues Feld zum Schildsteinweg. Innerhalb dieses Bereiches liegt der rund 1,2 qkm große Salzstock, in dem es auch zu Erdfällen kommen kann.

Rund 300 Messpunkte
Seit 1980 ist die Lüneburger Saline geschlossen. Schon weitaus länger, nämlich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges lässt die Hansestadt Lüneburg das Senkungsgebiet fortlaufend beobachten. An heute rund aktiven 300 Messpunkten werden die Erdbewegungen aufgezeichnet und ausgewertet, um rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Die Messdaten werden regelmäßig ausgewertet, in der Regel alle zwei Jahre, bei Bedarf auch deutlich öfter, je nachdem, welche Dynamik sich vor Ort entwickelt.

Denn die natürlichen Prozesse im Untergrund lassen sich kaum vorhersagen. War es in den 70er Jahren vor allem die Westliche Altstadt, wo der Boden deutlich absackte, zahlreiche Häuser nicht zu retten waren, bewegt sich der Boden dort seit langem an vielen Stellen nur noch um Millimeter im Jahr. Anfang des neuen Jahrtausends mussten Häuser am Ochtmisser Kirchsteig wegen der Senkung mit viel Aufwand statisch gesichert werden. Auch aktuell (2016) sind Anwohner und Hansestadt wieder intensiv über Maßnahmen zur Sicherung und zur Verkehrsberuhigung vor Ort im Gespräch. Seit Ende 2009 liegt die Frommestraße (wieder) im Fokus – ein Bereich, in dem schon in den 1920/30er Jahren Häuser wegen starker Senkungsschäden abgerissen werden mussten.


Beliebtes Anschauungsobjekt
So sah das Tor zur Unterwelt im Jahr 1931 aus. Aktuelle Fotos sind in der unten stehenden Bildergalerie zu finden.Überwiegend allerdings bewegt sich der Boden moderat, übrigens nicht allein nach unten, sondern auch nach oben – der Grund sind chemische Reaktionen, wie das Aufquellen von Gipsanteilen im Untergrund bzw. das generelle Aufsteigen des Salzes durch die Erdschichten. Die Lüneburger im Senkungsgebiet haben sich mit ihren schiefen Häusern arrangiert. Das hügelige Panorama und seine Ursachen sind Thema in Stadtführungen.

Besonders beliebtes Anschauungsobjekt ist das so genannte Tor zur Unterwelt an der Frommestraße. Ursprünglich ein ganz normales Gartentor, hat es sich seit seiner Errichtung im Jahr 1898 um fast zwei Meter in die Tiefe bewegt, die Torflügel haben sich dabei übereinander geschoben - seit Mai 2016 sind die Flügel verschwunden, vermutlich gestohlen. Bei dem Objekt handelt sich um ein Bau- und Bodendenkmal, da es anschaulich die geologische Situation in Lüneburg dokumentiert und damit von stadtgeschichtlicher Bedeutung ist. Einer der beiden Pfeiler neigt sich mittlerweile so sehr, dass er gestützt werden muss.

Wie es zu den Senkungen kommt, erklärt der Geologe Thorsten Trapp – er erkundete für die Hansestadt die Senkungsprozesse am Ochtmisser Kirchsteig und an der Frommestraße – so: Das Salz befindet sich in Lüneburg zwischen 30 und 70 Meter tief unter der Erdoberfläche. Durch Grundwasserströme laugen die salzigen Erdschichten in Schwächebereichen (Aufwölbung des Gipshutes, Störungszone) aus und lösen das anstehende Gestein. Das darüber liegende Gestein sackt dann je nach eigener Festigkeit mit ab.

Um die Gefahr von Erdfällen weitgehend auszuschließen, hatte Trapp im Auftrag der Hansestadt in den Senkungszentren bis zu 120 Meter tiefe Bohrungen mit Einbau einer Messeinrichtung niedergebracht und ausgewertet – größere Hohlräume wurden dabei nicht gefunden. Im Fortgang der Untersuchungen zeigte sich zumindest zeitweise ein signifikanter Zusammenhang zwischen Niederschlägen und Senkungsrate.

Wichtige Informationen: Was ist bei Erdfällen zu tun?

  • sofortige Absperrung des Einbruchbereiches bis mindestens 3 Meter vom Erdfallrand entfernt, da Erdfälle insgesamt und am Rand nachbrechen können
  • eventuell betroffene Versorgungsleitungen sofort abstellen und bei eingetretenen oder vermuteten Defekten an Ver- und Entsorgungsleitungen (Gas, Wasser, Strom)  die örtlichen Ver- und Entsorgungsbetriebe benachrichtigen (Störungsnummer Strom/Wasser 0800 0282266; Gas 0800 4282266)
  • umgehende Benachrichtigung des Ordnungsamtes als Gefahrenabwehrbehörde und bei Gefährdung baulicher Anlagen die Bauordnungsbehörde

Dass die Senkungen etwas mit der aktuellen Soleförderung zu tun haben, wie es immer wieder einmal diskutiert wird, hält Trapp für eher unwahrscheinlich. (Zur Info: Die Salztherme Lüneburg fördert einen Bruchteil der damaligen Solefördermenge für Bäder und Anwendungen, die derzeitige Menge entspricht etwa 10 bis 20 Prozent der vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie genehmigten Menge.)

Trapp hat die Daten der Jahre 2006 bis 2011 für den Ochtmisser Kirchsteig bilanziert. Danach ist allein dort das Senkungsvolumen doppelt so hoch wie die Entnahme von Salz durch das SaLü. Die aktuellen Senkungen im Bereich Frommestraße sind in dieser Bilanz noch nicht enthalten. Vor allem zeigte sich bei Umstellung der Soleförderung auf nochmals deutlich reduzierte Fördermengen kein Einfluss auf die Senkungsdaten.
 
Frommestraße
In der Frommestraße sind die aktuellen Auswirkungen der Senkungen besonders deutlich zu sehen.

Das zeigt nicht nur das oben beschriebene Tor zur Unterwelt. Das zeigt vor allem auch ein Bild der Frommestraßendecke aus dem Jahr 2012:

Die Straßendecke ist aufgeplatzt, die Straße aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahrbar.Die erneuten deutlichen Bodensenkungen jüngerer Zeit (nach Erdfällen und Gebäude-Abrissen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts) begannen etwa im Jahre 2009. Zu der Zeit wurde ein Neubauvorhaben eines Investors an der Straße kontrovers in Lüneburg diskutiert. Im Jahr 2011 betrug die Senkung in ihrem Zentrum, also in der Straße vor dem damaligen Grundstück Nr. 2, insgesamt 13 Zentimeter. Der Maximalwert für das Jahr 2012 lag bei 18,9 Zentimetern.

Die Senkungen haben Auswirkungen auf die denkmalgeschützten Häuser in der Straße – die Häuser Frommestraße 4 und 5 mussten im Laufe des Jahres 2012 aus Gründen der nicht mehr gegebenen Standsicherheit abgerissen werden.