Historisches Rathaus

Alles nach Masterplan

13 Millionen Euro sollen innerhalb von 20 Jahren in die Sanierung des Lüneburger Rathauses gesteckt werden. So sieht es der Masterplan des Hamburger Büros pmp Architekten vor, das alle Räume vom Keller bis in den Dachboden einzeln begutachtete und dabei unter anderem sogar kleine Risse genau dokumentierte. Bei der Bestandsaufnahme der 8000 Quadratmeter Nutzfläche in insgesamt 259 Räumen hat das Architekten-Büro neben Feuchte- und Salzschäden auch Mängel festgestellt, die die Standsicherheit des Rathauses bedrohen.

Das Rathaus vom Marktplatz aus gesehen. Die Zeichnung stammt von der Technischen Universität Braunschweig (Lehrstuhl Baugeschichte, Prof. J. Paul, 1964-66)Das Lüneburger Rathaus, das 1230 entstand, ist ein sehr komplexes Baugefüge von außerordentlicher kultureller Bedeutung. Es entstand im Laufe mehrerer Jahrhunderte und enthält einige überaus wertvoll ausgestattete und historisch bedeutende Innenräume.

Auf Anraten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hatte die Hansestadt den Masterplan in Auftrag gegeben. Ziel ist es, die historische Bausubstanz sowie die Kunst- und Kulturgüter zu pflegen und zu erhalten. Dieser Masterplan dient als Leitfaden für die nötigen Baumaßnahmen. Er führt die Nutzungsanforderungen sowie denkmalpflegerische, baukonstruktive, bauphysikalische und finanzielle Aspekte zusammen.

Die einzelnen Bauabschnitte des Masterplanes können – falls nötig – während ihrer Umsetzung den aktuellen Bedürfnissen und Finanzierungsmöglichkeiten angepasst werden.


Bauabschnitt 1
Die ersten Arbeiten haben sich auf die in statischer Hinsicht dringendsten Sicherungsmaßnahmen konzentriert. Hierzu zählten unter anderem die Instandsetzung der tragenden Pfeiler des Kellers im Kämmereigebäude sowie die Nachgründung und Instandsetzung des Nordgiebels. Zudem wurde das Necessarium der Gerichtslaube denkmalgerecht instand gesetzt.


Das Rathaus im Schnitt, aus Richtung Westen betrachtet. Die Zeichnung stammt von der Technischen Universität Braunschweig (Lehrstuhl Baugeschichte, Prof. J. Paul, 1964-66).Die Sanierungsarbeiten im Bereich des so genannten Taubenhofes sind abgeschlossen. Hier entstand der neue Eingangsbereich für die museale Nutzung des Rathauses. Der bisherige Zugang in die Ratsdiele durch die große grüne Tür am Ochsenmarkt hatte wegen der Temperaturschwankungen und eingetretener Feuchtigkeit negative Auswirkungen auf die Malereien in der Ratsdiele und die angrenzenden historischen Räume wie Gerichtslaube, Große Ratsstube und Fürstensaal. Diese Tür wird künftig nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet. Im neuen Eingangsbereich wurden auch ein Garderoben- und ein Kassenraum untergebracht. Sie entstanden in einem Raum unter der Großen Ratsstube, der nun wieder ähnlich aussieht wie im Jahr 1906. Damals nutzte die Polizei diesen Raum als Dienststelle. Die bestehenden WC-Anlagen, die auch für die Veranstaltungen im Huldigungssaal und Fürstensaal genutzt werden, sind modernisiert worden. Über eine ehemalige Treppenverbindung vom Innenhof, die wiederhergestellt wurde, können Besucher nun direkt den Ratskeller und den Ambrosiuskeller erreichen.

Außerdem wird derzeit der so genannte Zwischenbau denkmalgerecht instand gesetzt. Hierzu gehören auch die denkmalverträgliche Nachrüstung der Türen zum Brandschutz sowie die Dämmung des Dachgeschosses, das die Verwaltung nutzt.

Da bei der Erstellung des Masterplans festgestellt wurde, dass es für die Mitarbeiter der Verwaltung zu wenige und zu weit auseinander liegende WCs gab, werden im Erdgeschoss neue Sanitäranlagen eingebaut.

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördern diese Maßnahmen finanziell.


Der Taubenhof erhielt eine gläserne Überdachung und weitere Taubenschutzmaßnahmen, so dass er möglichst auch einen neuen Namen erhalten kann. Damit der Hofcharakter bestehen bleibt, deckt das Dach aber nicht den kompletten Bereich ab. Vom Hof aus sollen künftig die geführten Rathausbesichtigungen beginnen. Die von Taubendreck aber auch vom Zahn der Zeit geschädigten Fassaden und Dachkanten des Hofes werden denkmalgerecht saniert.

Das Magazingebäude des Stadtarchivs soll instand gesetzt und in Zukunft als Sitzungssaal genutzt werden. Für die fachgerechte Lagerung von Archivalien war das Gebäude aus heutiger Sicht nicht mehr zu nutzen, das Stadtarchiv ist daher ausgezogen. In einem ersten Schritt wurde bereits eine später eingebaute Stahlbetondecke entfernt, so dass die prächtig bemalte Holztonnendecke von 1899 wieder sichtbar geworden ist.

Blick hinter die Kulissen: Das Rathaus mit durchsichtiger Fassade, vom Marktplatz aus betrachtet. Die Zeichnung stammt von der Technischen Universität Braunschweig (Lehrstuhl Baugeschichte, Prof. J. Paul, 1964-66).Der unter der Gerichtslaube befindliche Ambrosiuskeller stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten Bestandteilen des Rathauses. Die Kelleraußenwände, die Pfeiler und das Gewölbe weisen, bedingt durch Feuchtigkeit und Salze, starke Schäden auf, die auch für die darüber liegenden Gebäudeteile in statischer Hinsicht bedenklich sind.

Besucher können den Keller nach der denkmalgerechten Instandsetzung im Rahmen von Sonderveranstaltungen besichtigen.

Mit der Bürgermeisterkörkammer und dem Alten Archiv sollen in diesem Bauabschnitt außerdem zwei bedeutende Bestandteile des Rathauses mit erhaltener Ausstattung aus dem 15. und 16. Jahrhundert instand gesetzt werden. Die Gebäudesubstanz weist statische Probleme und andere Schäden auf.

Das mächtige Dach des Fürstensaals bedarf dringend einer gründlichen Instandsetzung. Es überspannt mit einer beeindruckenden Hängekonstruktion den prächtig ausgestatteten Fürstensaal aus dem 15. Jahrhundert, der darunter stützenfrei gestaltet und als Tanzsaal genutzt werden konnte.

Neuer Pächter für den Ratskeller
Die Lüneburger Wohnungsbau Verwaltungs-GmbH ist mit der Baumaßnahme, der Suche nach einem neuen Betreiber und der Verpachtung beauftragt. Vor einer Wiederinbetriebnahme müsste u.a. die Küche grundlegend modernisiert werden. Das Hauptaugenmerk liegt vorerst auf der Schadstoffsanierung.

Noch viel zu tun
Bis 2024/25 soll die Instandsetzung des gesamten Gebäudekomplexes abgeschlossen sein. Im Rahmen des Masterplans wird auch die Haustechnik aktualisiert und an moderne Bedürfnisse angepasst. Außerdem spielt die Verbesserung des Brandschutzes eine wichtige Rolle. Dabei werden sowohl die sicherheitstechnischen als auch die denkmalpflegerischen Belange berücksichtigt.

Ansprechpartner

Hansestadt Lüneburg

8 Fachbereich Gebäudewirtschaft Manfred Koplin +49 4131 309-3579 E-Mail senden