Nachhaltigkeit

Verantwortungsvoll in die Zukunft

Nachhaltigkeitspreis: Hansestadt auf Anhieb unter den Top 3

(sp) Lüneburg. Freude bei der Hansestadt Lüneburg: Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. hat die Hansestadt Lüneburg für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2014 nominiert. Lüneburg ist damit eine von drei Top-Städten in der Kategorie „mittlerer Größe“, die genaue Platzierung wird beim Deutschen Nachhaltigkeitstag Ende. November in Düsseldorf bekannt gegeben. Die Hansestadt Lüneburg hatte sich im Sommer erstmals als eine von insgesamt 65 Städten aus dem ganzen Bundesgebiet um den Preis beworben. Jeweils die erfolgreichste Groß-, Mittel- und Kleinstadt bzw. Gemeinde erhält ein Preisgeld von 35.000 Euro zweckgebunden für ein konkretes, neu konzipiertes Nachhaltigkeitsprojekt. Neben Lüneburg sind auch die Städte Delitzsch (Sachsen) und Ludwigsburg (Baden-Württemberg) nominiert.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge freut sich über diesen ersten Erfolg: „Nachhaltiges Verwaltungshandeln ist mir ein persönliches Anliegen. Bürgerinnen und Bürger sollen sich auf Augenhöhe einbringen können, die Rahmenbedingungen sollen zum Mitgestalten einladen, die Ressourcen der nachfolgenden Generationen möglichst unangetastet bleiben – eine klassische Querschnittsaufgabe, bei der Erfolge eher auf lange Sicht zu erzielen sind. Die Nominierung unter den ersten Drei ist eine schöne Anerkennung, die unsere Bemühungen jetzt auch kurzfristig sichtbar und greifbar macht. Das freut mich sehr.“

Der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Hansestadt Lüneburg, Dr. Karl-Heinz Rehbein, beurteilt den Etappensieg wie die Bewerbung selbst als Gemeinschaftsleistung der gesamten Verwaltung. „Nachhaltigkeit ist bei uns breit angelegt. Wir haben zum Beispiel nicht nur die Kernverwaltung, sondern auch die städtischen Gesellschaften auf nachhaltiges Wirtschaften verpflichtet.“ Lüneburg hatte für die Bewerbung sechs Themengebiete zur Verfügung: Politik & Governance, Klima & Ressourcen, Mobilität & Infrastruktur, Wirtschaft & Arbeit, Bildung & Integration, Lebensqualität & Stadtstruktur. „Wir haben in allen Sparten gute Beispiele genannt. Ich denke, man kann sagen, Lüneburg orientiert sich mit seinen Zielen vielfach an größeren Städten; dabei setzen wir auf intensive Vernetzung mit Dritten wie etwa Universität, Landkreis und Institutionen ebenso wie mit Bürgern, Vereinen und Initiativen.“

Dazu passt, was die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in ihrer ersten Begründung zur Nominierung Lüneburgs formuliert: „In Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Wirtschaft hat die Hansestadt den Weg zur nachhaltigen Stadt geebnet. Auch sonst baut man in der Metropolregion Hamburg auf Kooperationen. Stadt und Landkreis engagieren sich gemeinsam in der Energiewende mit dem Ziel, künftig ausschließlich auf erneuerbare Energien zu setzen. Ihre Investitionen in die Zukunftsfähigkeit verbindet die hanseatische Stadt beispielhaft mit dem Erhalt und der Pflege von rund 1.300 schützenswerten Denkmälern alleine in der Innenstadt.“

Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis prämiiert seit 2008 jährlich Unternehmen, seit 2012 außerdem auch Städte und Gemeinden. Die Stiftung schreibt darüber: „Gewürdigt werden Kommunen, die im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten eine umfassende nachhaltige Stadtentwicklung betreiben und in den wichtigen Themenfeldern der Verwaltung erfolgreiche Nachhaltigkeitsprojekte realisiert haben.“ – Mehr dazu im Internet unter: www.nachhaltigkeitspreis.de

 

„Global denken – lokal handeln“

Die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung bezeichnete 1987 eine Entwicklung als nachhaltig, wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Daran versucht sich die Hansestadt Lüneburg seit Jahren zu orientieren – ganz nach dem Grundsatz „Global denken – lokal handeln“.

Nachhaltigkeit bedeutet für Städte wie Lüneburg, nur die Ressourcen zu nutzen, die auch vorhanden sind. Daher will die Hansestadt Schuldenabbau betreiben, von dem künftige Generationen profitieren. Dies ist ein zentrales Ziel der Stadtpolitik.

Stadtchefs im Rat für Nachhaltige Entwicklung
OB Ulrich Mädge bei der Unterzeichnung des Strategiepapiers zur Nachhaltigkeit in Berlin. Foto: Rat für Nachhaltige EntwicklungUm dieses Ziel zu erreichen, müssen die kommunalen Ausgaben und Einnahmen in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden. Deswegen fordern 20 Oberbürgermeister deutscher Städte (Stand: 2011) im Rahmen des Dialogs „Nachhaltige Stadt“ mit ihrem Eckpunkte-Papier, dass nur solche Aufgaben an Kommunen übertragen werden, deren Finanzierung dauerhaft sichergestellt sind – also eine mit den Kommunen abgesprochene Finanzierungslösung gefunden wird.

Dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gehören neben Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge auch die Verwaltungschefs der Städte Augsburg, Bonn, Düsseldorf, Erfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hannover, Heidelberg, Konstanz, Leipzig, Lörrach, Ludwigsburg, München, Münster, Norderstedt, Nürnberg, Ravensburg, Rheine und Tübingen an. Aus den Diskussionen der Bürgermeister entwickelten sich die Inhalte und Vorstellungen des Rates, der eng mit den politischen Spitzen der Bundesressorts, dem Parlament und den Nachhaltigkeitsinitiativen der Wirtschaft und aus der Zivilgesellschaft zusammenarbeitet.

Vier Eckpunkte
Die Oberbürgermeister sind überzeugt, dass die nachhaltige Stadtentwicklung, die soziale, ökologische und ökonomische Belange auf eine Stufe stellt, die beste Basis für die Zukunft der Städte ist. Daher formulierten die Bürgermeister folgende vier Eckpunkte, an denen sich ihre Stadtpolitik orientiert:

1. Nachhaltigkeit muss von den Menschen her gedacht werden: konkret, lebendig zupackend, mit Perspektive und gemeinsam mit den Menschen, die sich bereits jetzt in zunehmendem Maße die Idee der Nachhaltigkeit zu Eigen machen.
2. Nachhaltigkeit bedeutet, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als zur Verfügung stehen – auch in finanzieller Hinsicht.
3. Eine nachhaltige Entwicklung erfordert die Integration der Ressorts und Sachfragen in eine große Perspektive.
4. Die Kraft zu einer nachhaltigen Entwicklung kann nur zustande kommen, wenn alle staatlichen Ebenen an einem Strang ziehen.


Unmittelbare Demokratie
Dabei vertrauen die Bürgermeister den Menschen, die in ihren Städten leben. So schaffen sie Vertrauen, weil den Bürgern gezeigt wird, dass ihre Meinung und ihr Mitwirken wichtig sind. Politische Teilhabe wird somit nicht nur gefordert, sondern auch gefördert – denn auf kommunaler Ebene kann die Demokratie unmittelbar gespürt werden. Die Beteiligten sollen sich für die Umsetzung und die Ergebnisse der nachhaltigen Projekte mitverantwortlich fühlen.

Ziel ist es, die Eigeninitiative und Mitwirkung der Bevölkerung bei wichtigen Themen der Stadtpolitik zu fördern. Eine Möglichkeit wäre auch, Bürgerinnen und Bürger in Beiräte zu berufen, die sich mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigen. Auch Unternehmen und Verbände könnten in Projekte miteinbezogen werden. Auf diese Weise wird deren Eigeninitiative gefördert.

DialogN
Die Hansestadt Lüneburg hat rund 160.000 Euro aus der Fördermaßnahme „ZukunftsWerkStadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für das Projekt „DialogN“ erhalten. Damit ist Lüneburg eine von 16 deutschen Städten, die sich über eine solche Förderung freuen können.

Die Zuwendung des Bundes gibt die Hansestadt an drei Institutionen weiter, die sich auch schon bisher um Nachhaltigkeit in Lüneburg gekümmert haben. Der Verein T.U.N. (Technik-Umwelt-Natur e.V. Lüneburg) erhält 80.250 Euro, der FREIRAUM Lüneburg UG 29.000 Euro und die Leuphana Universität 50.000 Euro. Aufgaben des T.U.N. werden unter anderem sein, die Aktionstage Nachhaltigkeit, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Projekte und Runde Tische zu organisieren. Der FREIRAUM Lüneburg wird sich um Räumlichkeiten kümmern, während die Leuphana Universität das Projekt wissenschaftlich begleitet und eine Vernetzungs-Konferenz organisiert.

Das jetzt geförderte Projekt DialogN, das Thore Debor und Annegret Kühne initiiert haben, beruht auf einer Kooperation zwischen der Hansestadt Lüneburg und dem Verein Technik-Umwelt-Natur Lüneburg, der seit 26 Jahren die Lüneburger Umweltmesse organisiert. So soll ein Bürgerbeteiligungs-, Vernetzungs- und Aktionsprozess zum Thema „Gutes, nachhaltiges Leben vor Ort“ gestartet werden. Zentrale Ziele sind Beteiligungsformate kontinuierlich entwickeln und aufbauen sowie einen offenen, kreativen Bürgerdialog fördern.

Start für das Projekt war am 1. Mai 2012, die öffentliche Auftaktveranstaltung waren die "Aktionstage Nachhaltigkeit" Anfang Juni. Dort präsentierten Bürger, Hansestadt, Initiativen und Interessierte ihre Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit im gesamten Stadtgebiet. Die Kombination von Umweltmesse und Aktionstagen bot eine gute Gelegenheit, den Bürgern das Thema Nachhaltigkeit näher zu bringen.

Um die Bürger weiter mit einzubinden, sollen Runde Tische bis März 2013 Raum und Zeit für das Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung“ bieten. Die wichtigsten Fragen sind dabei:
1. Was ist in Lüneburg gut und nachhaltig?
2. Was ist verbesserungswürdig?
3. Wie können zukünftige Lösungen nachhaltigen Handelns vor Ort aussehen?

Als Vernetzungs- und Kommunikationsplattform soll die gemeinsame Homepage (http://www.dialogn.de) dienen, die von allen beteiligen Akteuren genutzt werden kann.


Lüneburger Klimaschutzleitstelle als vorbildliches Beispiel
Welche vielfältigen Gesichter kommunale Nachhaltigkeitsaktivitäten haben können, unterstreichen die Oberbürgermeister in der Veröffentlichung „Städte für ein nachhaltiges Deutschland. Gemeinsam mit Bund und Ländern für eine zukunftsfähige Entwicklung“. Darin wird unter anderem das Beispiel der Lüneburger Klimaschutzleitstelle präsentiert, die es ermöglicht, über Verwaltungsgrenzen hinweg bei allen Klimaschutzaktivitäten – ob vonseiten der Politik und Verwaltung oder der Unternehmen – die Entwicklung der gesamten Region im Blick zu haben.

Die Klimaschutzleitstelle hat viele Aufgaben: Sie informiert und berät Verwaltung, Politik, private Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger, sie setzt Klimaschutzprojekte um und vernetzt Akteure in der Region. Dabei arbeitet sie beispielsweise gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg bei Projekten wie der Leitstudie zur „100%-Erneuerbare-Energien-Region“ zusammen. Das soziale Projekt „Serviceteam Stromsparen“ berät einkommensschwache Haushalte durch kostenlose Energiechecks.