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Kulturreferat

Erinnerungskultur zum 20. Juli

Kaltenmoor: Abschluss der Gedenkreihe zum Widerstand des 20. Juli 1944

Oberbürgermeister Ulrich Mädge rief in seinem Grußwort dazu auf, für Rechtstaat und Demokratie einzutreten. Foto: Hans Malte WitteAm Samstag, 20. Juli 2019, fand in Lüneburg eine Reihe von Veranstaltungen zum 75. Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 ihren Abschluss. In der IGS in Kaltenmoor stellte Oberbürgermeister Ulrich Mädge dabei eine Neuauflage der 2002 von Henry Thobaben erarbeiteten Broschüre zum Thema Widerstandskämpfer und Straßennamen in Kaltenmoor vor. Prof. Dr. Heike Düselder vom Museum Lüneburg informierte in einem Vortrag über den historischen Zusammenhang von Straßenbenennungen und öffentlicher Erinnerungskultur, anschließend verlasen Schüler Lebensgeschichten und Texte von NS-Widerstandskämpfern.

Immer weniger Zeitzeugen können davon berichten, wie es dazu kommen konnte, dass in Deutschland die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sieht hierin eine der Hauptaufgaben von Erinnerungskultur. „Dafür ist es wichtig, sich mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen, in der eigenen Stadt, im eigenen Stadtteil oder eben in der eigenen Straße.“ Deshalb freue er sich besonders über die Neuauflage der Kaltenmoor-Broschüre; in dem Stadtteil tragen einige Straßen die Namen von Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus. „Wer aufmerksam durch diese Straßen geht, entdeckt nicht nur einen lebenswerten Teil Lüneburgs, sondern auch die Namen, die von bewegten Lebensgeschichten und historischen Ereignissen erzählen“, so der Oberbürgermeister. Die Broschüre erzählt diese Geschichten. 36 sind es insgesamt, eine davon ist zum Beispiel die des Lüneburger Sozialdemokraten Hermann Niemann, der für das Verteilen von Flugblättern im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet wurde.

„Um diesen Widerstandskämpfern beispielhaft für viele andere zu gedenken, wollte die Hansestadt mit der Benennung der Straßen in Kaltenmoor seinerzeit ein Zeichen setzen“, erinnerte Ulrich Mädge. Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder verwies in ihrem Vortrag darauf, dass Straßennamen im Deutschland der 1960er-Jahre in vielen Städten zu Orten der Erinnerung wurden. Mit diesem Thema hatten Schüler der IGS sich bereits 2014 befasst, indem sie aus den Straßennamen im Umkreis ihrer Schule eine Sonderausstellung für das Museum Lüneburg erarbeiteten. In einem Workshop für Schüler entstanden außerdem beeindruckende künstlerische Annäherungen an das Thema in Form von Comiczeichnungen.

„Jede Generation muss ihren eigenen Weg finden, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Dass das funktionieren kann, haben die Schülerinnen und Schüler der IGS eindrucksvoll gezeigt“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge und verwies auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und für Rechtstaat und Demokratie einzutreten. Es erfordere zwar auch Mut, sich gegen geistiges Brandstiftertum und extremistische Gewalttaten zur Wehr zu setzen, doch „für Hass, Gewalt und Rechtsradikale kann es keinen Platz in unserer Gesellschaft geben“, so Ulrich Mädge.

Die Broschüre „Kaltenmoor: Straßen- und Flurnamen und ihre Bedeutung“ ist für Interessierte im Kulturreferat der Hansestadt im Heinrich-Heine-Haus (Am Ochsenmarkt 1a) erhältlich.


 

Schüler-Workshop im Museum Lüneburg

Illustrator und Autor Niels Schröder vermittelte den Schülern einige Grundtechniken. Daraus schufen sie ihren ganz eigenen Zugang zum schwierigen Thema. Foto: Hansestadt LüneburgEinige vielversprechende angehende Künstlerinnen und Künstler seien ihm bei dem Schüler-Workshop im Museum Lüneburg begegnet, sagt Niels Schröder, Autor und Illustrator der Graphic Novel „20. Juli 1944: Biographie eines Tages“. Seine unkonventionelle Aufbereitung des gescheiterten Hitler-Attentats und der unmittelbaren Folgen für die Beteiligten hat Niels Schröder vergangene Woche am Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock vorgestellt. Dort waren die Beteiligten des Attentatversuchs in der Nacht zum 21. Juli 1944 hingerichtet worden. In dieser Woche brachte Niels Schröder seinen Bilderroman auch mit nach Lüneburg – um Schülerinnen und Schülern der IGS in Kaltenmoor zum einen die Historie näherzubringen, aber vor allem auch um mit ihnen gemeinsam im Workshop eigene künstlerische Herangehensweisen an das Thema zu erarbeiten.

Initiiert hatte das Ganze auf Anregung der Kulturausschussvorsitzenden Birte Schellmann Lüneburgs Kulturreferentin Katrin Schmäl in Zusammenarbeit mit Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder und Geschichtslehrer Dr. Christoph Reinders-Düselder von der IGS. Etwa 20 seiner Schülerinnen und Schüler nahmen am Dienstag, 2. Juli 2019, an dem Projekt im Marcus-Heinemann-Saal des Museums teil. Schon 2014 hatten Schüler der IGS Lüneburg eine Roll-up-Ausstellung über Widerstandskämpfer erarbeitet, die in Kaltenmoors Straßennamen verewigt sind. Während der Vorstellung der Workshop-Ergebnisse mit Illustrator Niels Schröder waren auch diese früheren Arbeiten zu sehen.

Die Werke der Schülerinnen und Schüler werden am 20. Juli in einer Abendveranstaltung  an der IGS Lüneburg nochmals zu sehen sein. Foto: Hansestadt LüneburgKulturreferentin Katrin Schmäl erklärt, der Workshop motiviere Schülerinnen und Schüler, sich auf ungewohnte, künstlerische Art mit Erinnerungskultur und Lokalgeschichte auseinanderzusetzen. Sie betonte vor den Teilnehmenden, die anschließend selbst ihre Werke vorstellen konnten: „Der Hansestadt Lüneburg ist es wichtig, dass junge Menschen dies tun, denn es gibt bekanntlich immer weniger Zeitzeugen. Wir müssen unsere Erinnerungskultur also pflegen.“ Wichtig sei hierfür auch immer wieder den Perspektivwechsel zu wagen und dem Thema natürlich im Geschichtsunterricht zu begegnen, aber eben auch persönlich-individuell.

„Super veranschaulicht“ fanden die teilnehmenden Jugendlichen die Impulse durch die Mitarbeiter des Museums sowie durch Autor Niels Schröder und betonten, dass gerade die freie Arbeit an dem schwierigen Thema sie beeindruckt und inspiriert habe. „Die Jugendlichen haben eine große Bandbreite an künstlerischer Darstellung gezeigt. Wir hätten auch gut noch zwei Stunden weitermachen können“, sagt Niels Schröder. „Dafür hat es letztlich nur einen kleinen Impuls gebraucht, und schon hat jede und jeder seinen ganz eigenen Blick auf das Thema entwickelt.“

Birte Schellmann, die auf den Illustrator aufmerksam geworden war und die Idee des Workshops mit anregte, überzeugte das Projekt so sehr, dass sie 25 Exemplare der Graphic Novel für Lüneburger Schulen stiftete. Die Vorsitzende des Kulturausschusses freue sich über derartige Projekte für junge Menschen. Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder versicherte, dass sie Kooperationen zwischen Schulen und dem Museum Lüneburg auch künftig fördere. Am Jahrestag selbst wird es um 18 Uhr in der Aula der IGS in öffentlicher Veranstaltung erneut um die Ereignisse des 20. Juli gehen. Schülerinnen und Schüler lesen dann aus den Lebensgeschichten ausgewählter Widerstandskämpfer vor. Auch die Graphic-Novel-Kunstwerke aus dem Workshop sollen dann noch einmal zu sehen sein.

Ansprechpartner

Hansestadt Lüneburg

Kulturreferentin

Leiterin Kulturreferat Katrin Schmäl +49 4131 309-3566 E-Mail senden