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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe: Lüneburgs Friedhöfe sind mehr als nur Orte zum Trauern (18.09.2020)

Hans Hockemeyer, Leiter der Friedhöfe bei der Hansestadt, mit dem Schild, das den Lüneburger Zentralfriedhof als immaterielles Kulturerbe ausweist. Foto: Hansestadt Lüneburg(sp) Lüneburg. Die Lüneburger Friedhöfe stehen ab sofort sichtbar im Zeichen des immateriellen Erbes Friedhofskultur: Das Team um Hans Hockemeyer, Leiter der Friedhöfe bei der Hansestadt, brachte jetzt ein entsprechendes Schild am Zentralfriedhof an. Tafeln werden auch an den sieben weiteren städtischen Begräbnisstätten aufgestellt.

Lüneburg ist damit Teil eines bundesweiten Netzwerks von mehr als 100 Städten, die zum diesjährigen Tag des Friedhofs (Sonntag, 20. September 2020) öffentlichkeitswirksam auf das vielschichtige Kulturerbe aufmerksam machen. Denn die eigentliche Ernennung auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission war im Corona-Lockdown untergegangen.

„Auf unserem historischen Zentralfriedhof werden fast 150 Jahre Friedhofskultur sichtbar“, sagt Hans Hockemeyer. „Hier kann man gut nachvollziehen, wie sich die Gepflogenheiten rund um Trauer und Gedenken im Laufe der Zeit verändert haben.“

Das erste Grab wurde dort um 1876 belegt. „Damals hatten viele Grabstätten noch klare Grenzen, oft waren diese mit besonders gestalteten kleinen Mauern oder Zäunen versehen. Zum Teil wurden den Vorfahren sehr individuelle und mächtige Grabmale errichtet und viel Geld und Pflege in die Anlagen investiert“, weiß der Experte. „Einige Anlagen existieren aus der Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts und werden von den Nachfahren bis heute unterhalten. Sie bilden besondere Schmuckstücke unserer Friedhöfe.“ Heute dagegen gehe der Trend eindeutig zum pflegeleichten, kostengünstigen und platzsparenden Urnengrab. „Die Nachfrage nach Rasen-, Baum- und Gemeinschaftsanlagen steigt.“

Die Auszeichnung zum immateriellen Erbe Friedhofskultur hatte die Kultusministerkonferenz bereits im März beschlossen. „Gewürdigt werden damit allerdings nicht die Friedhöfe an sich, sondern vielmehr all das, was Menschen auf dem Friedhof tun“, erklärt Hockemeyer, „nämlich trauern, erinnern, gedenken, gestalten, pflegen und bewahren. Für mich sind Friedhöfe deshalb auch in erster Linie Orte für die Lebenden.“

Gleichzeitig soll mit der Ernennung der Wert der Friedhofskultur für die Gesellschaft hervorgehoben werden – etwa sozial oder historisch, aber beispielsweise auch in Bezug auf Klima- und Naturschutz. So sind Grabstätten unter anderem Inspirationsfläche für unterschiedliche Kunstformen, dienen als Treffpunkt und Rückzugsort und haben besonders im städtischen Umfeld einen hohen Wert als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Hinweistafeln zum immateriellen Kulturerbe gibt es in Lüneburg künftig nicht nur auf dem Zentralfriedhof, sondern auch auf dem St.-Michaelis-, dem Nord-West- und Waldfriedhof, dem Ehrenfriedhof Tiergarten sowie in Oedeme, Rettmer und Häcklingen.

Die Auszeichnung der Lüneburger Begräbnisstätten hat das „Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ initiiert, das sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben hat. Auf seiner Seite www.kulturerbe-friedhof.de finden sich umfangreiche Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe und deren Bedeutung für die Gesellschaft.