Ansprechpartner & mehr

Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

„Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“ – Digitale Lesung aus Victor Klemperers Tagebuch 1933 bis 1945 zum Gedenken an den 27. Januar 1945 (22.01.2021)

Gemeinsame Presseinformation von Hansestadt und Museum Lüneburg

Es ist der Tag, an dem die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz von der Roten Armee befreit wurden: Am 27. Januar findet jährlich der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust statt.

Zur Erinnerung an die Geschehnisse von damals und als Mahnung an die heute Lebenden, haben die Hansestadt und das Museum Lüneburg eine digitale Gedenkveranstaltung vorbereitet, die ab Mittwoch, 27. Januar 2020, über den Youtube Kanal des Museums sowie auf der städtischen Internetseite abrufbar sein wird.

Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder betont: „Es ist wichtig, diesen Tag nicht verstreichen zu lassen, ohne etwas zu tun und zum Gedenken etwas beizutragen. Es ist von großer Bedeutung, gerade beim Gedenken und Erinnern beharrlich zu bleiben und die Erinnerungskultur zu pflegen und stetig zu reflektieren.“ Diesen Gedanken unterstützt auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Gedenken fängt vor Ort an. Die Verfolgung und Ermordung von Opfern durch die Nationalsozialisten fand nicht irgendwo, weit weg, sondern auch bei uns in Lüneburg statt. Dies sollten wir uns besonders an Gedenktagen wie heute bewusst machen und die Erinnerungskultur in unserer Hansestadt stetig weiterentwickeln und vertiefen.“

In dem Video zur diesjährigen digitalen Gedenkveranstaltung liest der 1977 in Dresden geborene und in Lüneburger lebende Schriftsteller und Herausgeber Dr. Renatus Deckert aus dem Tagebuch von Victor Klemperer „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“.  Klemperer, der als Jude geborene, zwangsemeritierte Professor, löste mit seinen täglichen Notizen, deren Entdeckung den sicheren Tod bedeutet hätte, eine selbstgesetzte Chronistenpflicht ein: Er wollte der Geschichtsschreiber der Katastrophe sein und Zeugnisablegen für die Zeit danach. Tag für Tag hielt er im "Judenhaus" in Dresden fest, was er beobachtete und erlebte: den täglichen Terror mit Razzien, ständig neuen Verboten und Schikanen, gelegentlich auch Gesten der Solidarität. Und er schrieb auf, was ihm zugetragen wurde: Gerüchte, politische Witze, Berichte von Frontsoldaten. Sein minutiöser Bericht ist ein einmaliges Dokument über den Alltag der Judenverfolgung – mitten in einer deutschen Großstadt.

Die digitale Gedenkveranstaltung wird mit einer Ansprache des Oberbürgermeisters Ulrich Mädge eröffnet und von dem Lüneburger Pianisten und Lehrer an der Musikschule, Martin Rolfing, mit Werken musikalisch begleitet.

Das Video ist ab Mittwoch, 27. Januar 2020, unten auf dieser Seite zu sehen.

Zum Gedenktag
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit. Es hat lange gedauert, bis dieser Tag zu einem Gedenktag wurde. In der Bundesrepublik initiierte der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 den offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Er prägte den eindringlichen Satz: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“ Die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschloss 2005, den 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag zu machen.