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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Infos für Hauseigentümer, Sirenen für die Stadt und weitere Stichpunkte zum Hochwasserschutz vor Ort (22.07.2021)

HANSESTADT LÜNEBURG. – Angesichts der verheerenden Hochwasserkatastrophe in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz steht auch in anderen Regionen die Frage nach ausreichender Vorsorge im Raum. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat dazu im städtischen Bauausschuss (19. Juli 2021) erste Fragen beantwortet. – Die Hansestadt Lüneburg hat sich bereits seit längerem mit der Thematik auseinandergesetzt und wird dazu auch weiterhin in politischen Gremien und über die lokalen Medien berichten. Einige Stichworte zum Thema hier vor Ort:

Hinweise der AGL für Hauseigentümer
Die AGL (Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH) hat einige hilfreiche Tipps und Antworten zum Thema Schutz des Eigentums vor Überflutungen zusammengestellt.

Sirenen im Stadtgebiet
Die Frage, wie die Bevölkerung vor drohenden Katastrophen zuverlässig gewarnt werden kann, wenn Handy-Netze und Strom ausfallen, hat durch die aktuellen Ereignisse eine enorme Bedeutung gewonnen. Der Bund will den Ländern 88 Mio. Euro zum Aufbau und zur Ertüchtigung von Sirenen zur Verfügung stellen, rund 9 Mio. Euro gehen voraussichtlich nach Niedersachsen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge möchte auch für die Hansestadt Lüneburg Sirenen, darüber soll nach der Sommerpause im Feuerwehrausschuss beraten werden. Eine erste Konzeption wird derzeit durch die Verwaltung vorbereitet. Aktuell gibt es keine Sirenen im Stadtgebiet. Unabhängig hiervon gilt aber der dringende Rat, sich über sämtliche Kanäle informiert zu halten, sei es Fernsehen, Rundfunk, Internet, Warn-Apps, Soziale Medien und Lautsprecherdurchsagen von Polizei und Feuerwehr und dort kommunizierte Warnungen auch wirklich ernst zu nehmen.

Bauen im Überschwemmungsgebiet
Neubauvorhaben im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet des Flusses Ilmenau sind grundsätzlich untersagt und dürfen nur im Einzelfall errichtet werden, und zwar, wenn der durch den Bau gegebenenfalls wegfallende Rückhalteraum für das Wasser zeit- und funktionsgleich ausgeglichen werden kann und wenn das Bauvorhaben „hochwasserangepasst“ umgesetzt wird. Hochwasserangepasst bedeutet: Es darf nur so gebaut werden, dass bei einem Hochwasser, in der Art, wie es statistisch alle 100 Jahre auftreten kann, keine Schäden entstehen.

Auch die Ausweisung neuer Baugebiete im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet der Ilmenau ist im Außenbereich grundsätzlich untersagt, d.h. sie dürfen nur im Ausnahmefall und unter strengen Auflagen ausgewiesen werden.

Vorsorge gegen Starkregen
Die Hansestadt Lüneburg befasst sich bereits seit geraumer Zeit mit dem Thema Starkregen. Bisher galt das vor allem für Einzelprojekte:

  • In Neubaugebieten wurde auf großzügige Regenwasserrückhaltung Wert gelegt, beispielsweise im Pilgerpfad Süd oder auch am Wienebütteler Weg. Auch scheinbar kleine Maßnahmen wie Gründächer oder entsiegelte Flächen schaffen zusätzlichen Rückhalteraum bei Regen und sorgen damit für eine Entlastung des Kanalystems und Ablaufflächen. Sie leisten darüber hinaus einen Beitrag zu Klimaschutz und Klimaanpassung.
  • Bei der Konversion der ehemaligen Schlieffenkaserne (Neubau Hanseviertel-Ost) setzt die Stadt nicht auf das althergebrachte Entwässerungsnetz der Kaserne, sondern auf dezentrale Versickerung. Außerdem hat sie ein Rückhaltebecken konzipiert, um die tiefer liegenden Anliegerinnen und Anlieger am Lüner Graben vor Überschwemmung zu schützen.
  • An der Bleckeder Landstraße lässt die Hansestadt im Zusammenhang mit dem Neubau der Bahnbrücke den Kanal komplett neu mit größeren Querschnitten verlegen. Dies reduziert bei Starkregenereignissen deutlich das Risiko von Rückstau und Überschwemmungen im Kreuzungs-  und  Trogbereich,  da  die  hauptsächlichen Regenwassermengen  an  der  Überführung  und  der  Straßenkreuzung  dann  zukünftig  vorbeigeführt werden und der Kanal mehr Wasser fassen kann.
  • Bei behördlichen, wasserrechtlichen Zulassungen zum Ableiten von Regenwasser von einem bebauten Grundstück lässt die Hansestadt Lüneburg grundsätzlich keine Ausnahmen vom Regelwerk zu. Vielmehr werden Planerinnen und Planer fachlich unterstützt und beraten, um so eine optimierte Grundstücksversiegelung zu realisieren.
  • Die gültige Abwassergebührensatzung begünstigt Grundstückseigentümer, die Regenwasser zurückhalten oder versickern lassen. Damit ist sie ein rechtlicher Anreiz, der auf die Verbesserung der Auswirkungen von Starkregen abzielt.

Starkregenkonzept in Arbeit
Die Hansestadt arbeitet an einem übergreifenden, ortsbezogenen Starkregenkonzept. Nachteilige Auswirkungen von Starkregen sind jedoch nicht nur abhängig von der Menge des Regens, heißt es dazu aus dem städtischen Bereich Umwelt. Maßgebend sind neben der Vorwitterung und Bodenfeuchte vor allem auch nicht-atmosphärische Einflussgrößen, z.B. Orographie (Lage des Schadenortes am Hang oder im Tal), Siedlungsdichte, Bodenart, Landnutzung oder Entwässerungssysteme.. Die erforderlichen Grundlagendaten zur Erstellung eines ortsbezogenen Starkregenkonzeptes trägt die Verwaltung derzeit zusammen und validiert diese. Im nächsten Schritt soll eine Starkregengefahrenkarte erstellt werden. Sie ist Basis, um mit den beteiligten Akteuren das Starkregenkonzept weiter zu erarbeiten (voraussichtlich bis Mitte 2022).

Lösegrabenwehr: Hochwasserschutz für die Innenstadt
Vor rund 700 Jahren (1299) wurde anlässlich der Erbauung der Ratsmühle der Lösegraben hergestellt und vor rund 150 Jahren (1873/74, mit dem Bau der Eisenbahn) noch einmal leicht nach Westen verlegt. Seit dieser Zeit besteht auch das Wehr, welches Mitte des vorigen Jahrhunderts (1964/65) von einem handbetriebenen, in ein schwimmergesteuertes Klappenwehr umgebaut wurde. Die Wehrklappen halten den Wasserstand durch eine Schwimmersteuerung selbsttätig, so dass damit auch ein bestimmter Wasserstand an der Ratsmühle nicht überschritten wird. Im Hochwasserfall wird das Wasser dann nicht durch die Stadt, sondern über den Lösegraben abgeleitet. – Derzeit wird das Lösegrabenwehr umfangreich saniert, um seine Funktionsfähigkeit durchgehend sicherstellen zu können.