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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Jugendliche gestalten besondere städtische Gedenkstunde an Opfer des Nationalsozialismus' (28.01.2020)

Gedenkfeier der Hansestadt Lüneburg am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Glockenhaus. Die AG Musik.Theater.Machen der Wilhelm-Raabe-Schule hat eigens dafür eine szenische Lesung des Stücks "Selma, wenn das Gestern heute ist..." erarbeitet. Foto: Hansestadt Lüneburg(sp) Lüneburg. Den Namen Anne Frank und die Geschichte dahinter – wer kennt sie nicht. Anders ist es mit Selma Meerbaum-Eisinger. Der kurze Lebensweg der jungen Frau, die als Jüdin im Alter von 18 Jahren im KZ starb und der Welt 58 Gedichte hinterließ, stand am Montag (27. Januar 2020) im Mittelpunkt einer städtischen Veranstaltung im Glockenhaus zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. „Selma, wenn das Gestern heute ist …“, so ist ein Theaterstück überschrieben, aus dem Mitglieder der AG Musik.Theater.Machen der Wilhelm-Raabe-Schule Ausschnitte als szenische Lesung zeigten. Das Stück stammt aus Regensburg, die Hansestadt hat dort um die Rechte nachgefragt, um es zum Gedenktag zeigen zu können. Innerhalb weniger Wochen erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler ihre Darstellung unter Leitung von Friedrich von Mansberg, Chefdramaturg am Theater Lüneburg.

Bei der Aufführung ging es nicht allein um Selma und den Blick zurück, sondern auch um Fragen, die (auch) junge Leute umtreiben, wenn sie sich beschäftigen mit der menschenverachtenden Nazi-Ideologie und dem Wahnsinn, in dem diese historisch mündete. Was wäre eigentlich gewesen, wenn einfach „jemand Stopp gesagt hätte“ und damit an seiner Stelle und in seinem Moment das Drangsalieren und Morden angehalten hätte? Aber, auch das eine Erkenntnis: „Es ist so viel einfacher, das Richtige zu tun, wenn alles es tun.“ Doch wenn es eben genau andersherum ist und zu viele das Falsche tun? Damals? Heute? Mit diesen und anderen Gedanken und Eindrücken bewegte das Projekt das Publikum, in dem sich vor allem Vertreterinnen und Vertreter aus dem Rat sowie aus anderen Kultureinrichtungen und gesellschaftlichen Initiativen fanden, die sich in Lüneburg mit der NS-Geschichte und der Aufarbeitung beschäftigen. Auch Sopranistin Franka Kraneis und Pianistin Kanako Sekuguchi vom Theater Lüneburg gestalteten den Abend mit.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge bedankte sich ausdrücklich bei den Schülerinnen und Schülern der Wilhelm-Raabe-Schule für ihren Beitrag und unterstrich, wie wichtig es ist, gerade der Auseinandersetzung der jüngeren Generation mit der NS-Geschichte Raum zu geben: „Sie sind es, die das Thema weitertragen.“ Einen Schlussstrich in der Aufarbeitung und Erinnerung könne es nicht geben, erteilte er entsprechenden Intentionen eine deutliche Absage: „Nein, es ist nicht genug! Wir müssen immer wieder daran erinnern, weil immer wieder und immer neu Menschen den falschen Ideen hinterherlaufen.“ Er danke allen, die in Lüneburg helfen historisches Wissen zu vermitteln und Zugänge auch auf emotionaler Ebene zu ermöglichen. Mädge: „Diese Auseinandersetzung mit der NS-Terrorherrschaft, meine Damen und Herren, ist angesichts aktueller antisemitischer und rechtspopulistischer Tendenzen mehr als nötig.“.