Ansprechpartner & mehr

Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Kindeswohl steht vor Finanzen: Sozialdezernentin weist Vorwürfe aus dem Kreishaus zurück (28.04.2021)

HANSESTADT LÜNEBURG. – Sozialdezernentin Pia Steinrücke zeigt sich sehr überrascht über die Medieninformation des Landkreises vom 28. April 2021. Darin erklärt der Kreis, dass er nicht beabsichtige, das „Soforthilfepaket Kinder, Jugendliche und Familien in der Hansestadt Lüneburg“, finanziell zu einem Drittel mitzutragen. Das geplante Paket wird im Mai Thema sein in den städtischen Fachausschüssen, im Verwaltungsausschuss und im Rat.

Pia Steinrücke sieht verschiedene Kritikpunkte an der „scharfen Stellungnahme“ des Landkreises. Zunächst mal: „Dass der Landkreis ein so wichtiges Thema, die Unterstützung und Entlastung von Kindern, Jugendlichen und Familien finanztechnisch abbügelt, befremdet schon sehr. Es ist nicht nachvollziehbar, was die Situation von Kindern, Jugendlichen und Familien mit der Kreisumlage zu tun hat. Wenn es wirklich nur um die Finanzen geht, dann stehen hier wohl Finanzen gegen Familien. Das ist nicht hinnehmbar, gerade weil der Landkreis Gewinnrücklagen hat und hierfür offensichtlich lieber Strafzinsen zahlt, anstatt das Geld für die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.“

Außerdem bemängelt die städtische Sozialdezernentin ein fehlendes Bewusstsein für die Unterschiede zwischen den Bedürfnissen im ländlichen und im städtischen Raum. „Der Kreis hat einen Sozialfonds aufgelegt für genau solche Projekte und Programme. Dass dies im Landkreis gut genutzt wird, ist unumstritten. Der Bedarf in der Hansestadt ist jedoch um ein Vielfaches größer als im ländlichen Raum, aber vor allem komplexer, gerade im Bereich der Teilhabe für benachteiligte Kinder und Jugendliche.“

Zudem nutzen junge Menschen aus dem Landkreis die Angebote in der Hansestadt maßgeblich mit: Schulen, Sportvereine, die offenen Jugendszene, auch Am Sande, dienten, so die Erfahrung des städtischen Sozialbereichs, zu etwa 30 bis 40 Prozent Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis als Treffpunkt. Ein weiteres Beispiel: „Gerade gestern habe ich mit Jugendlichen aus dem Jugendzentrum Stadtmitte gesprochen. Von insgesamt acht jungen Menschen in der Runde kamen drei aus dem Landkreis: aus Amelinghausen und aus Thomasburg. Sie haben deutlich gemacht, dass gerade für Jugendliche aus dem ländlichen Raum die Jugendarbeit in der Innenstadt wichtig ist.“

Steinrücke weiter: „Wir machen viele gute Angebote in der Stadt für die Jüngeren. In der aktuellen Lage müssen wir aber noch mehr tun, und dafür ist das Soforthilfepaket gedacht. Uns ist es in der Umsetzung ganz gleich, ob ein Kind oder ein Jugendlicher aus der Stadt oder aus dem Landkreis kommt. Hauptsache ist, wir verlieren kein Kind und keinen Jugendlichen. Das ist es, was zählt. Und bislang war es selbstverständlich, dass solche Angebote vom Landkreis unterstützt wurden und wir es gemeinsam angegangen sind. Umso erstaunlicher ist es, dass nun der Landrat und seine Fachbereichsleiterin so reagieren, ohne sich die Idee überhaupt erstmal anzuhören.“

Pia Steinrücke ist es wichtig, auch zukünftig eng und konstruktiv mit dem Landkreis zusammenzuarbeiten. "Wir verstehen uns als Teil einer Region. Das haben wir in der Vergangenheit in vielfacher Hinsicht gezeigt.“ Sie nennt Beispiele:

  • „Die Öffnung der Sporthallen in den Ferien ist eine Anregung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewesen. Wir haben die Idee natürlich an den Landkreis herangetragen.“
  • „Ebenso springt die Hansestadt immer wieder ein, um Versorgungslücken im ländlichen Raum zu kompensieren. Zuletzt, indem sie Hallenkapazitäten zur Verfügung gestellt hat, als im Landkreis Hallen wegfielen.“
  • „Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe hat der Landkreis in der Vergangenheit auch von unserer Fachexpertise profitiert, zuletzt im Bereich der Organisationsentwicklung und Prozessberatung zur Umsetzung des Bundesteilhabepakets. Der Landkreis hat sich unserem Prozess angeschlossen und nimmt mittlerweile an unseren Workshops teil.“

Die städtische Sozialdezernentin sieht das als selbstverständliches Zutun in einer Zusammenarbeit für die Region. „Deshalb bin ich auch weiterhin gesprächsbereit, um gemeinsame gute Lösungen für Kinder und Jugendliche in der Pandemie zu schaffen. Und genau darauf zielt das Soforthilfepaket ab. Ich halte eine Teilfinanzierung durch den Sozialfonds des Landkreises nach wie vor für eine gute Option.“