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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Landesdenkmalschutzbehörde streicht „Möllering-Villa“ von der Liste der Kulturdenkmale – Nachnutzung auch mit historischem Bezug geplant (03.07.2020)

(sp) Lüneburg. Das Waldhaus in Häcklingen, vielen bekannt als sogenannte „Mölleringvilla“, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Vor allem der Eingangsbereich wurde Ende des zweiten Weltkrieges zur Kulisse bedeutender historischer Ereignisse, als dort der britische Feldmarschall Montgomery eine deutsche Delegation empfing, um die Kapitulation Norddeutschlands zu verhandeln. Wegen dieser geschichtlichen Bedeutung stellte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege die Mölleringvilla 2007 unter Denkmalschutz. Diesen Denkmalschutz hat die Landesbehörde nun aufgehoben, wie Lüneburgs Stadtbaurätin Heike Gundermann im Kulturausschuss der Hansestadt mitteilte. Die Begründung der Denkmalschutzbehörde: Der bauliche Zeugniswert reiche nicht mehr aus, um an der Baudenkmal-Ausweisung festzuhalten. Das Waldhaus Häcklingen wird damit aus der Liste der Kulturdenkmale gestrichen.Bislang galt das Waldhaus in Häcklingen, auch Möllering-Villa genannt, als geschütztes Denkmal, nun hat das Land es aus seiner Liste gestrichen. Die Gutsanlage wurde im April 1945 Hauptquartier der Britischen Armee. (Archivfoto Juni 2019 : Hansestadt Lüneburg)
 
Errichtet Anfang des 20. Jahrhunderts war das Gebäude in Häcklingen zunächst als landwirtschaftlicher Lehrbetrieb genutzt worden. Der nachfolgende Eigentümer, der Brauereifabrikant Alexander Möllering, nahm im Jahre 1935 erste größere Umbauten vor. Es entstand unter anderem der charakteristische Eingangsbereich. 2007, als die Villa unter Denkmalschutz gestellt wurde, war das Gebäude durch einen vorangegangenen Klinikbetrieb baulich bereits stark verändert, einige Nebengebäude waren abgerissen. „Der Zustand aus der Zeit um 1945 war nur noch in geringem Umfang vorhanden“, skizziert Gundermann.
Das Gebäude wechselte anschließend mehrfach den Eigentümer. Der letzte und aktuelle Eigentümer erwog zunächst eine gastronomische Nutzung, musste diese Pläne aber aufgrund entgegenstehender bauplanungsrechtlicher Regelungen verwerfen. Eine ebenfalls angedachte Wohnnutzung scheiterte an einer zu hohen Belastung mit Schadstoffen und Schimmelpilzen in dem alten Gebäude. Weil auch die Bausubstanz durch die wechselnde Nutzung und den längeren Leerstand stark in Mitleidenschaft gezogen war, beantragte der Eigentümer bei der Hansestadt Lüneburg die Feststellung, dass die Sanierung des Gebäudes unwirtschaftlich sei mit dem Ziel, das Gebäude trotz Denkmalstatus abreißen zu dürfen.
 
Weil die Stadt trotz sorgfältiger Prüfung hier zu keinem klaren Ergebnis kommen konnte, wandte sie sich an Niedersachsens oberste Denkmalschutzbehörde, das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK). Bei einem gemeinsamen Ortstermin von Eigentümer, Stadt, MWK, und der Präsidentin des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege zeichnete sich schließlich ab, dass der Zustand des Gebäudes so schlecht ist, dass bei einer etwaigen Instandsetzung wesentliche Teile der Bausubstanz nicht mehr erhalten werden könnten.
 
Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege teilte der Stadt daraufhin mit, dass es beabsichtige, das Waldhaus Häcklingen aus der Denkmalliste zu streichen. Die Stadt nahm dazu Stellung und gab hierzu insbesondere die von einer privaten Initiative zusammengetragenen Forschungsergebnisse zur geschichtlichen Bedeutung des Gebäudes an die Landesbehörde weiter. Gleichzeitig führte die Stadt vorsorglich Gespräche mit dem Eigentümer, um sicherzustellen, dass der Ort auch bei einer späteren Nachnutzung noch an die historischen Ereignisse erinnert. Mit den Eigentümern ist unter anderem vereinbart, dass bei einem etwaigen Neubau der Sichtgiebel statisch gesichert und nach dem Rückbau des übrigen Gebäudekörpers in den Neubau integriert wird. Durch den historischen Eingangsbereich soll ein Ausstellungsraum erschlossen werden. Der Ausstellungsraum und ein zusätzlich vorgesehener Büroraum könnten dann von der privaten Initiative, einem entsprechenden Verein oder durch dritte Träger zu ortsüblichen Konditionen gemietet werden, um an die Vergangenheit dieses Ortes in angemessener Weise zu erinnern.
Am 18. Juni 2020 informierte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege darüber, dass es das Waldhaus Häcklingen aus der Liste der Kulturdenkmale gestrichen hat.