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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Neue Bahnstrecke bei Reppenstedt? DB stellt mögliche Ausweichtrasse vor (17.02.2021)

Gemeinsame Presse-Information von Hansestadt und Landkreis Lüneburg

(LÜNEBURG) – Deutlich erstaunt reagierten die Verwaltungsspitzen von Hansestadt und Landkreis Lüneburg auf die jüngste Gläserne Werkstatt der Deutschen Bahn zu Trassenplanungen im Bahndreieck Hamburg-Bremen-Hannover. So präsentierten die Planer am Dienstag (16. Februar 2021) zum einen detaillierter die möglichen Folgen eines Ausbaus der Bestandsstrecke für den Lüneburg Bahnhof. Kurz gesagt, Der Bahnhof müsste quasi komplett verlegt werden, so wie es für Winsen/Luhe und Uelzen schon in früheren Untersuchungen dargestellt wurde. Zum anderen skizzierten die Planer eine Alternativroute, um die Bahnhöfe von Lüneburg bis Uelzen westlich zu umfahren, diese führten sie im Landkreis Lüneburg von Radbruch, vorbei an Vögelsen, hindurch zwischen Reppenstedt und Lüneburg, an Embsen vorbei weiter Richtung Süden.

Landrat Jens Böther sagte im Anschluss: „Wenn die Planer damit nur einmal darstellen wollen, was nicht geht, dann ist Ihnen das gelungen. Ansonsten kann ich den Vorschlag beim besten Willen nicht ernst nehmen.“ Die in der Runde beschriebene Strecke würde zwischen Lüneburg und Reppenstedt hindurchführen, dicht vorbei an neu entstehenden Wohnvierteln, durch Naherholungsgebiete und durch den Grüngürtel westlich um Lüneburg herum. „Da ist doch kein Platz für eine Bahnstrecke! Es ist doch jetzt mehr als klar, dass es nicht mehr um einen Bestandsausbau, sondern um eine Neubaustrecke geht“, so Böther. Auch eine Führung weiter westlich – ob zwischen Lüneburg und Reppenstedt oder mitten durch die Samtgemeinde Gellersen – würde gewachsene Siedlungsstrukturen zerschneiden und erhebliche Naturbelange berühren, dieser Bereich war daher im heute dargestellten Suchraum schon gar nicht enthalten.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge ist es leid, dass immerzu Zeit vertan wird, um angeblich mögliche Trassen auf Herz und Nieren zu prüfen, denen die Nicht-Machbarkeit mit wachem Blick schon früh anzusehen ist. „Wir haben die ursprünglichen Ideen, die Bestandsstrecke auszubauen, mit viel Aufwand als zu teuer und zu ineffektiv dargestellt. Jetzt klopfen wir die Vieregg-Rössler-Varianten ab, um festzustellen, dass diese nicht nur Milliarden kosten würden und unwirtschaftlich sind, sondern auch eine Verlegung des ZOB und des Bahnhofsgebäudes bedeutet, von Auswirkungen auf bahnhofsnahe Wohnviertel und Gewerbebetriebe ganz zu schweigen. Solche Possen mögen in die Karnevalszeit passen – aber ich wünsche mir, dass wir uns endlich realistischen Trassen zuwenden, wie einer Neubaustrecke für den Güterverkehr entlang der A 7.“

Was die Planer genau in ihrer jüngsten Informationsveranstaltung vorgestellt haben, ist nachzuverfolgen auf https://www.hamburg-bremen-hannover.de/files/pdf/faktencheck/Praesentation_3_Glaeserne_Werkstatt_zu_Vieregg_Roessler_Konzeptionen.pdf.

Hansestadt und Landkreis hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach praxisnahe Lösungen in der Diskussion um die Strecke Hamburg-Hannover angemahnt. Beide lehnen den Ausbau der Bestandsstrecke wie auch eine stadtnahe Umgehungsstrecke ab, da sie kaum Zeitgewinn brächten, dafür mit aufwendigen technischen Lösungen und Eingriffen verbunden wären. Sie fordern stattdessen, die Bestandsstrecke im Kleinen so zu ertüchtigen, dass zeitnah zusätzliche Kapazitäten für Pendel- und Fernverkehr entstehen können; der steigende Güterverkehr soll auf einer Neubaustrecke entlang der A 7 geführt werden. Der Landkreis Lüneburg fordert hier die fachlich fundierte Prüfung einer alternativen Linienführung mit zwei Gleisen. Dazu sei ein Raumordnungsverfahren unerlässlich. Dies hatten auch Kreistag (Dezember 2018) und Rat der Hansestadt (Juni 2016) in einem Positionspapier sehr deutlich gemacht.

Hintergrund
Die Schiene muss gestärkt werden, vor allem auch für Pendler. Die Kapazitäten auf der Strecke Hamburg-Hannover, einer der meistbefahrenen Strecken in Deutschland, müssen ausgebaut werden. Soweit besteht noch breite Einigkeit in der seit 1992 währenden Diskussion um Y-Trasse, Alpha-E und Alternativen. Nur: Welche Lösung gut und tatsächlich vor Ort machbar ist, darüber ringen Deutsche Bahn, Politik in Bund, Land und Kommunen sowie Projektbeirat und Anrainer der verschiedenen Strecken.