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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Rundgänge zu Lüneburg im Nationalsozialismus durch Schüler-Guides (23.01.2020)

Lüneburg. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden zwölf Schülerinnen und Schüler des 10. und 11. Jahrgangs des Lüneburger Gymnasiums Wilhelm-Raabe-Schule von August 2019 bis Januar 2020 zu Schüler-Guides zum Thema »Lüneburg im Nationalsozialismus« ausgebildet. Am 27. Januar 2020 um 9.30 Uhr findet in der Aula des Gymnasiums, Feldstraße 30, die Ernennung durch die Schulleitung und das Ausbilder-Team statt. Die Initiatorinnen des Projekts, Maren Hansen, Geschichtswerkstatt Lüneburg, und Dr. Carola S. Rudnick, »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg, bezeichnen dies auch als »Taufe« der Schüler-Guides.

Ab dann werden die Schülerinnen und Schüler vornehmlich im Auftrag der Geschichtswerkstatt interessierte Gruppen im Rahmen eines Stadtrundgangs zum Thema »Lüneburg im Nationalsozialismus« an die relevanten Orte im heutigen Stadtbild führen und über Lüneburg als einstiges Machtzentrum im Nationalsozialismus, über jüdisches Leben, Kriegsende und die Aufarbeitung der mit dem Holocaust in Verbindungen stehenden Verbrechen informieren. »Wir hoffen, dass wir mit diesem Angebot den zahlreichen Nachfragen zu Stadtführungen unter dem Motto ›Lüneburg unter dem Hakenkreuz‹ gerecht werden, die ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen sind«, betont Maren Hansen, Vorsitzende der Geschichtswerkstatt. »Nach einem Jahr werden die Schülerinnen und Schüler den ›Staffelstab‹ im Januar 2021 an den nächsten Ausbildungsjahrgang übergeben, der ab August 2020 von uns ausgebildet wird«, betont Carola Rudnick.

Die Ausbildung zu Schüler-Guides wurde von Ehrenamtlichen der Geschichtswerkstatt Lüneburg und Dr. Carola S. Rudnick angeregt und gemeinsam mit den Lehrerinnen Anne Nitzpon und Uta Strecker durchgeführt. »Wir waren sofort begeistert von der Idee, mit einem solchen nachhaltigen Angebot auch als Schule aktiv zum Gedenken der NS-Verbrechen beizutragen«, betont Uta Strecker. »Das Engagement der Ausbilder hat uns und die Schüler angesteckt − und nicht nur das, es hat uns überzeugt«, ergänzt Anne Nitzpon.

Unterstützung bei der Ausbildung der Schüler-Guides erhielt das Team vom Museum Lüneburg, vom Ostpreußischen Landesmuseum, von der Geschichtswerkstatt Uelzen, von Anneke de Rudder und der Dramaturgin Antjé Femfert, die mit den Schülern ein professionelles Sprechtraining durchführte. Das Stadtarchiv und das Museum Lüneburg, das Archiv der Landeszeitung, das Deutsche Historische Museum, die Einhorn

Apotheke, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA Niedersachsen e. V.) sowie das Gymnasium Johanneum stellten Unterlagen zur Verfügung, die sich nicht bereits in den Sammlungen der Geschichtswerkstatt und der Gedenkstätte befanden. Im Rahmen der Rundgänge ermöglichen sie eine Veranschaulichung der Geschichte. Da die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler ein No-Budget-Projekt war, verzichteten die beteiligten Einrichtungen auf Entgelte, spendeten vielmehr ihr Wissen und ihre Zeit.

Für ein Motiv, das die Schülerinnen und Schüler gerne zeigen möchten, benötigt die Geschichtswerkstatt auch die Hilfe der Leserinnen und Leser. Es handelt sich um Aufnahmen von der Trauerfeier für die Opfer der Bombardierung am 22. Februar 1945. Hierbei wurden die Särge der Toten auf dem Markplatz aufgebahrt.
Unter Beweis stellen können die frisch »getauften« Schüler-Guides ihr Wissen über Lüneburg in der Zeit von 1933 bis 1945 bereits wenige Stunden nach ihrer Ernennung. Anlässlich des bundesweiten Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2020 bieten die Schüler-Guides von 14.30 bis 16 Uhr öffentliche Führungen an. Treffpunkt ist das Mahnmal »Den Opfern der Gewaltherrschaft 1933 – 1945« in der Lüneburger Lindenstraße. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen unter www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette sowie www.geschichtswerkstatt-lueneburg.de.