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Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Schienenausbau in der Region? Mädge fordert zügige Verbesserungen für Pendlerinnen und Pendler (30.01.2020)

(sp) Lüneburg. Oberbürgermeister Ulrich Mädge zieht ein vorläufiges Fazit aus einem Jahr mit fünf Informationsrunden der Deutschen Bahn zum Schienenausbau in der Region. Gestern (29. Januar 2020) hatte die DB in Hannover ihre Untersuchungen zu möglichen Ortsumfahrungen für das Projekt Stichwort Alpha-E, vorgestellt – die dritte von drei näher untersuchten Varianten. Mädge: „Keine dieser Varianten ist in Aufwand und Nutzen vertretbar. Das liegt auch daran, dass die einzelnen Puzzle-Teile nicht zusammenpassen, ein Gesamtkonzept fehlt. Die DB hat uns jetzt vorgerechnet, dass eine Ortsumfahrung von Radbruch bis Bienenbüttel über drei Milliarden Euro kosten würde, sie aber auf der Strecke Hamburg-Hannover gerade mal vier Minuten Zeitersparnis brächte, ein Drittel des Ziels von elf Minuten. Und warum? Weil es zum Beispiel nördlich und südlich von Lüneburg Engpässe gibt, die aber nicht Gegenstand der Untersuchungen waren. Also, alles zurück auf Start, neue Varianten, neue Untersuchungen. Das dauert noch Jahre. Wir müssen aber jetzt etwas für Pendlerinnen und Pendler tun. Die jetzige Situation ist nichtmehr vertretbar.“

Mädge fordert daher, dass sich Bund und Land unabhängig von der zähen Ausbauplanung zusammenschließen und „unverzüglich“ auf der Bestandsstrecke Lüneburg-Hamburg die vielen möglichen Verbesserungen im Kleinen aktiv angehen, wie sie auch schon seitens Kommunen und Metronom vorgeschlagen worden sind. „Herr Althusmann als Wirtschaftsminister ist hier gefordert!“

Lüneburgs Oberbürgermeister erläutert, was er sich vorstellt, quasi eine Variante P wie Pendler: „Es gibt eine Reihe von Stellschrauben, um den Betrieb auf der dreigleisigen Bestandsstrecke zu optimieren, sei es Weichen zu ergänzen, die Signalisierung zu verbessern, störungsanfällige Infrastruktur zu ertüchtigen oder Bahnsteige anzupassen. Wir müssen auch die Prioritäten überdenken, damit Pendler nicht immer wieder Überholungen durch Fernzüge abwarten oder hinter Güterzügen her bummeln müssen. Die Fachleute der Metronom Eisenbahngesellschaft haben Ende 2018 dazu Vorschläge unterbreitet. Land und Bund müssen das nötige Geld zur Verfügung stellen.“ Denn, so erinnert Mädge: Das dritte Gleis Stelle-Lüneburg sei ja so und nicht anders gebaut worden in der Annahme, die Y-Trasse werde folgen und unter anderem Güterverkehr aufnehmen. „Die Strecke muss also an die Realität angepasst werden.“

Auch die Stadt selbst hat bereits im Jahr 2019 ein dickes Paket geschnürt, um den Lüneburger Bahnhof für die steigende Zahl an Zugreisenden und Pendlern auszubauen und zugleich die Nutzung von umweltfreundlichen und klimaschonenden Verkehrsmitteln zu stärken. Bis voraussichtlich 2025 sollen die einzelnen Schritte umgesetzt werden:

  1. angefangen vom Diebstahlschutz für den Radspeicher am Gleis 1
  2. über die Erweiterung der Fahrradstellplätze auf der Ostseite am Gleis 5,
  3. die Verbesserung der Barrierefreiheit,
  4. die bessere Erschließung des Fahrradparkhauses am Westgleis
  5. bis hin zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes,
  6. den Neubau eines dritten Radspeichers
  7. und der dringend notwendigen Erweiterung des Zentralen Omnibusbahnhofs.
  8. Im Bahnhofsgebäude selbst soll eine Mobilitätszentrale entstehen.

Die Hansestadt Lüneburg strebt die Absicherung der Vorhaben über einen Bebauungsplan an. Der Aufstellungsbeschluss ist für März 2020 angepeilt. Parallel führt die Verwaltung Gespräche mit der Deutschen Bahn über Grundstücke und Beteiligung Der Ausbau ist auch ein Bestandteil des städtischen Maßnahmenpakets zu Klimaschutz und Klimaanpassung, das heute (30.1.2020) im Rat diskutiert wird.

Mädge: „Wir sprechen hier von einem Paket im zweistelligen Millionen-Bereich. Das nützt aber alles wenig, wenn auf der Schiene nichts passiert – und da können wir selbst nichts verändern. Hier müssen Land und Bund buchstäblich mal zum Zuge kommen und nicht das Problem bis 2035 aussitzen!“

Hintergrund
Die Schiene muss gestärkt werden, vor allem auch für Pendler. Die Kapazitäten auf der Strecke Hamburg-Hannover, einer der meistbefahrenen Strecken in Deutschland, müssen ausgebaut werden. Soweit besteht noch breite Einigkeit in der seit 1992 währenden Diskussion um Y-Trasse, Alpha-E und Alternativen. Nur: Welche Lösung gut und tatsächlich vor Ort machbar ist, darüber ringen Deutsche Bahn, Politik in Bund, Land und Kommunen sowie Projektbeirat und Anrainer der verschiedenen Strecken.