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Forstamt Lüneburg setzt Rückepferde ein: Dreiklang aus Maschine, Mensch und Tier (20.12.2019)

Das Stadtforstamt testet den Einsatz von Rückepferden. Foto: Hansestadt Lüneburg(sp) Lüneburg. Das Lüneburger Stadtforstamt testet seit kurzem den Einsatz sogenannter Rückepferde bei der Holzernte in Lüneburger Wäldern. Rückepferde sind Pferde, die mithilfe eines Gespanns in der Lage sind, ganze Baumstämme aus dem Wald zu ziehen.

Natürlich ist das nicht mit jedem Baumstamm und auf jedem Walduntergrund möglich. Für die Arbeit mit Rückepferden ist ein Dreiklang aus Mensch, Maschine und Tier erforderlich. Zwar wurden Rückepferde noch bis in das 20. Jahrhundert hinein regulär zur Holzernte eingesetzt, allerdings sind ihre Kapazitäten begrenzt und die Tiere benötigen regelmäßige Futterpausen. Im Zweiergespann schaffen Rückepferde bis zu zwei Holzfestmeter aus dem Unterholz. Musste man früher die wertvollen Stämme zerschneiden, um sie transportabel zu machen, kommt heute an dieser Stelle die Rückemaschine zum Einsatz. Aber: Dort, wo sie nicht hingelangt, werden die Stämme mit dem Pferdegespann „zugereicht“, also bis zur nächsten Schneise gezogen, von der aus die Maschine das Material aufnehmen kann.

Per-Ole Wittenburg, Leiter des Stadtforstamtes, erklärt die Vorteile: „Wo es geht, können Rückepferde als ein schonendes Instrument zur Waldbewirtschaftung und Ergänzung zur Maschine eingesetzt werden. Deshalb gibt es immer nur bestimmte Schneisen – sogenannte Rückegassen – die mit dem schweren Gerät befahren werden und auch dauerhaft als solche farblich markiert werden. Damit soll die Bodenverdichtung auf der Gesamtfläche soweit wie möglich minimiert werden. In den Zwischenfeldern - dort, wo die Rückemaschine nicht agieren kann oder zur Schonung des Waldbodens nicht eingesetzt werden soll – kommt wie in diesem Fall das Gespann zum Einsatz und liefert das Holz für die Maschine bis an die Rückegasse vor.“

Für die Pferde sei das keine Schinderei, sondern körperliche Betätigung, sagt Pferderücker Jens Bußmann. „Pferde sind von Natur aus nicht faul, sondern brauchen Bewegung und wollen sich auspowern“, weiß er. Bußmann arbeitet schon länger mit Pferden, als Kutscher, aber auch als „Hobbyrücker“, wie er sagt. Derzeit fährt er im Auftrag der Stadt morgens mit der Kutsche in den Forst, sammelt dort mit den beiden Friesen Brando (17) und Alex (5) das Holz zusammen und fährt nach getaner Arbeit mit der Kutsche wieder heim – ein durch und durch romantisches Arbeitssetting, könnte man meinen. Doch mitnichten: „Beim Pferderücken kommt zu der Romantik des Naturbelassenen eine knallharte Arbeit – körperlich vermutlich sogar anstrengender für den Rücker als für das Pferd.“ Dennoch liebt Jens Bußmann die Tätigkeit: „Ansonsten könnte man diesen Job nicht machen, wenn man nicht auch überzeugt davon wäre – und es ist eine grundehrliche Tätigkeit, das gefällt mir besonders.“

Das Pilotprojekt Pferderücken wird derzeit im Waldgebiet Böhmsholz umgesetzt – am Ende wird sich zeigen, inwieweit die Rückepferde den Einsatz von Rückemaschinen vielleicht dauerhaft ergänzen werden. „Naturgemäße Waldbewirtschaftung und stabile ökologische, aber auch ökonomische Mischbestände sind unser erklärtes Ziel“, so Wittenburg. „Die Rückepferde helfen uns da gleich mehrfach: Durch ihren Einsatz erreicht man auf sensiblen Standorten eine bodenschonende Kombination aus Pferd und Maschine. Das hilft uns auch, die Verbreitung von Schädlingen in schwer zugänglichen Flächen einzugrenzen, die sich aktuell vor allem in den durch die letzten Trockenjahre geschwächten Baumbeständen stark vermehren.“

Fotos: Hansestadt Lüneburg