Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

Landrats- und Europawahl: Die Zukunft aktiv mitgestalten (25.05.2019)

Gehen selbstverständlich wählen: Brigitte Antonius, Julius Flinks (oben), Annegret Bettex, Leif Scheele, Katarzyna Ewa Rollert (Mitte, v.l.), Florian Fiechtner und Andrea Koch (unten). Fotos: LKLG, Hansestadt Lüneburg(lk/sp) Lüneburg. Demokratie lebt vom Mitmachen – das gilt auch für die Landrats- und Europawahl am kommenden Wochenende. Sieben Menschen aus der Region erzählen, warum sie wählen gehen und wieso alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Lüneburg von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen sollten.

Brigitte Antonius, Schauspielerin aus Wien
Die 86-Jährige ist deutschlandweit besser bekannt als Johanna Jansen aus der TV-Serie „Rote Rosen“.

„Wählen? Ja, aber natürlich – und bitteschön auch eine proeuropäische Partei! Ich finde es unsäglich, dass Werte wie Anständigkeit und Solidarität von einschlägigen Politikern immer weiter ausgehöhlt werden. Das sind humanistische Werte, auf die sich alle Menschen insgesamt wieder mehr berufen sollten. Das heißt auch, sich umfänglich zu bilden und breit zu informieren – vor allem jenseits der neuen Medien, in denen vieles leider oft verkürzt dargestellt wird, wie ich finde.“

Julius Flinks, Student in Lüneburg
Der 22-Jährige ist Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses der Leuphana Universität.

„Ich gehe wählen, weil ich mir die Chance nicht nehmen lassen will, meine Umwelt mitzugestalten, im Kleinen wie im Großen. Für die drängenden Fragen braucht es aber vor allem große Lösungen: Klimawandel und Artensterben lassen sich nicht lokal aufhalten, und eine Energiewende ist auch kaum denkbar, wenn nicht alle mitziehen. Da ist die EU schon ein guter Ansatz, müsste aber noch sozialer und demokratischer werden. Und vor allem ihre Agrarsubventionspolitik überdenken.“

Andrea Koch, Biolandbetreiberin aus Betzendorf  
Die 57-Jährige verkauft wöchentlich am Lüneburger Markt.

„Ich gehe selbstverständlich wählen – bei allen Wahlen, die möglich sind. Ich bin kein Kriegskind. Ich habe daher nicht die Erfahrung der Menschen, die ihn mitgemacht haben. Wenn man sich das vergegenwärtigt, dann haben wir in der Völkerverständigung große Fortschritte gemacht. In der Landwirtschaft wünsche ich mir zwar manchmal mehr nationale Unterstützung, aber es läuft auch nicht alles verkehrt. Bei Wahlen können die Menschen zumindest ein wenig ihrer eigenen Überzeugung weitergeben.“

Katarzyna Ewa Rollert, Doktorandin aus Lüneburg
Die 40-jährige gebürtige Polin arbeitet im Familienunternehmen mit und ist im Integrationsbeirat aktiv.

„Es ist mir sehr wichtig, wählen zu gehen. Als überzeugte Europäerin bin ich mir sicher, dass Nationalstaaten viel schlechtere Chancen haben, mit den Herausforderungen unserer Zeit alleine klarzukommen. Sei es die globale Erderwärmung, Migration oder soziale Gerechtigkeit. Als Gemeinschaft kann uns das eher gelingen. Die EU-Wahl gibt uns die Möglichkeit, die Handlungsfähigkeit der europäischen Gemeinschaft zu stärken. Was die Wahl zum Landrat anbelangt, finde ich es äußerst wichtig, wer die Geschicke unserer Region in den Händen hält. Schließlich erleben wir hier vor Ort hautnah viele Aspekte, die direkt unsere Familien und die Nachbarschaft betreffen. Da darf es keinen Platz für billigen Populismus geben. Ich bin davon überzeugt, dass jede Stimme zählt.“

Florian Fiechtner, Komponist aus Bleckede
Der 49-Jährige war bereits sieben Mal Juror beim jährlichen Schülermusikwettbewerb des Landkreises.

„Der Ursprung allen Übels wurzelt im Egoismus. Eine Folge daraus ist ein Desinteresse am öffentlichen Interesse, also an dem guten Funktionieren von Systemen. Es ist wichtig, dass wir als menschliche Gemeinschaft – egal ob lokal, national oder global – zusammenwirken. Da sollte jeder seine Stimme einbringen und versuchen, das System zu verbessern, immer und immer wieder.“

Annegret Bettex, Pastorin in Lüneburg
Die 45-Jährige hat gemeinsam mit ihrem Mann eine Pfarrstelle in der St.-Michaelis-Gemeinde inne.

„Die Brexit-Abstimmung hat gezeigt, wie wichtig es ist, mit seiner Stimme den politischen Kurs mit zu beeinflussen. Europa ist ein vielversprechendes Friedensprojekt, wenn es ein Europa für alle ist. Dafür muss es aber fairer werden. Europa ist mehr als nur Wirtschaftsunion. Es sollte eine echte Werte- und Solidargemeinschaft sein, mit sozialem Ausgleich und gerechter Teilhabe, damit niemand hinter der Digitalisierung und Globalisierung zurückbleibt.“

Leif Scheele, Schauspieler aus Lüneburg
Der 39-Jährige führt als „Henker von Lüneburg“ durch die mittelalterlichen Gassen der Hansestadt.

„Ich bin Europäer und Optimist. Auch wenn gerade ein paar Störenfriede versuchen, die EU zu torpedieren – die haben nur ihre Antihaltung und nichts Konstruktives anzubieten. Dabei bedeutet Europa Arbeits-, Reise- und Bildungsfreiheit, wirtschaftliche Vorteile und vor allem Frieden – seit 74 Jahren! Es ist einfach eine logische Sache: Menschen sind soziale Wesen und die Europäische Union ist ein sozialer Gedanke. Wir sind eingebunden in ein großes Netz von Freunden und dennoch frei, eigene Entscheidungen zu treffen. Und wir können wählen gehen, was wollen wir mehr?“


Zum Hintergrund
Am Sonntag, 26. Mai 2019, dürfen alle EU-Bürgerinnen und -Bürger im Landkreis Lüneburg, die mindestens 18 Jahre alt sind, bei den neunten direkten Wahlen des Europäischen Parlaments mitstimmen. 96 Abgeordnete werden in Deutschland gewählt. Zudem finden Wahlen auf kommunaler Ebene statt: Knapp 150.000 Wahlberechtigte ab 16 Jahren können einen neuen Landrat bzw. eine neue Landrätin wählen. In fünf Kommunen kommt ein weiterer Stimmzettel dazu: Die Samtgemeinden Bardowick, Gellersen und Scharnebeck sowie die Gemeinden Adendorf und Amt Neuhaus stimmen neu über ihren Bürgermeister oder ihre Bürgermeisterin ab.