Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

Lüneburgs neue Verkehrsplanerin nimmt sich den Bahnhof vor (20.06.2019)

An dieser Stelle, zwischen der Busschleife und der ehemaligen Bahnmeisterei, könnte ein drittes Fahrradparkhaus entstehen. Bis 2025 sollen so insgesamt 3.000 Fahrradstellplätze am und um den Bahnhof zur Verfügung stehen. Grafik: Hansestadt Lüneburg(sp) Lüneburg. Einstimmig beschlossen die Mitglieder des Verkehrsausschusses am Dienstag, 18. Juni 2019, den Bahnhof verkehrsstrategisch weiterzuentwickeln. Verkehrsplaner Sebastian Heilmann und seine neue Kollegin Tanja Berg stellten dem Ausschuss bisherige Überlegungen zu einem dritten Fahrradspeicher, der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes sowie einer Erweiterung des ZOB vor. Damit stünde die dritte große bauliche Veränderung des Bahnhofsareals an, nachdem von 1996 bis 1998 Radspeicher und ZOB entstanden und 2013 die erste Erweiterung mit einem zweiten Radspeicher und dem Ausbau des ZOB erfolgte.

Ein Antrag der Jamaika-Gruppe, Planungen für eine Mobilitätszentrale aufzunehmen, fand sich bereits in den Vorschlägen der Verwaltung wieder. Wie Sebastian Heilmann ausführte, war diese Idee in den ersten Überlegungen zum Um- und Ausbau des Bahnhofsareals elementarer Bestandteil. Erste Gespräche mit der Metronom-Gesellschaft und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) fanden bereits statt. „Wir wollen alle Mobilitätsaspekte bei der Weiterentwicklung des Bahnhofs einbeziehen. Dazu gehört unter anderem auch eine Mobilitätszentrale vor Ort, um Nah- und Fernverkehr besser mit örtlichen Mobilitätsangeboten wie Carsharing oder Stadtrad zu verknüpfen“, erklärt der Verkehrsplaner.

Tanja Berg, die seit vergangenem Monat Sebastian Heilmann in der Planung und im Bau von Bus- und Radverkehrsanlagen unterstützt, trug dem Ausschuss zur Parksituation von Fahrrädern am Bahnhof und zur Idee eines dritten Radspeichers vor. Hierfür hatte sie in einer Erhebung bei derzeit knapp 2.300 vorhandenen Stellplätzen eine Auslastung mit schon jetzt über 2.500 Fahrrädern festgestellt. „3.000 Stellplätze bis 2025 sind also ein sinnvolles Ausbauziel“, prognostiziert die Stadt- und Verkehrsplanerin. Ein dritter Speicher solle zügig kommen. Dieser könne beispielsweise zwischen Busschleife und ehemaliger Bahnmeisterei, direkt am ZOB, entstehen und außerdem Carsharing- und Stadtrad-Stellplätze bereitstellen. Auch einen besseren Diebstahlschutz für die bereits vorhandenen Parkhäuser sowie sichere Abstellmöglichkeiten insbesondere für E-Bikes und Lastenräder sieht sie in diesem Zusammenhang auf der Agenda.

Tanja Berg ist Lüneburgerin und absolvierte ihr Studium in Hamburg und Wiesbaden. Zuletzt arbeitete sie als Planerin bei der P+R Betriebsgesellschaft, die zu 95 Prozent ein Unternehmen der Hansestadt Hamburg ist. „Da habe ich auch schon Fahrradparkplätze, zum Beispiel an S-Bahn-Stationen, geplant und gebaut. Jetzt darf ich mir gleich einen ganzen Bahnhof vornehmen“, freut sie sich über die Herausforderung im Job. Die Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen Sebastian Heilmann laufe, „als wäre ich schon seit einem Jahr hier, der Workflow stimmte von Anfang an!“ Ihre bisher zweite Ausschusssitzung wurde ebenfalls zum Erfolg: „Die Reaktionen auf meinen Erstentwurf zum Radspeicher fielen insgesamt sehr positiv aus. Unter den Anmerkungen der Ausschussmitglieder war nichts, was sich nicht in die weiteren Planungen einbeziehen lassen würde.“

Verkehrsdezernent Markus Moßmann betonte nach der Sitzung, dass die Hansestadt – auch dank der wichtigen personellen Unterstützung durch Tanja Berg – nun in die Vorplanungen einsteigen könne, was das Bahnhofsareal angeht. Bis 2025 sind derzeit insgesamt sieben einzelne Schritte angedacht: Diebstahlschutz für den Radspeicher am Gleis 1, Erweiterung der Fahrradstellplätze auf der Ostseite am Gleis 5, Verbesserung der Barrierefreiheit und Erweiterung des Fahrradparkhauses am Westgleis, Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, Neubau des dritten Radspeichers und ZOB-Erweiterung. Zum siebten Vorhaben, einer Mobilitätszentrale im Bahnhofsgebäude selbst, müsse man nun mit der Deutschen Bahn und der LNVG weiterverhandeln. Die DB hatte angekündigt, ihr Reisezentrum im Lüneburger Bahnhof Ende 2022 zu schließen. „Dieser Schritt der Bahn kann für uns auch eine Chance sein. Wir hoffen jetzt auf ein Entgegenkommen der DB als Vermieter des Objekts“, so Verkehrsdezernent Markus Moßmann.