Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

Oberbürgermeister Mädge eröffnet ehemalige Pfarrwitwenwohnungen (02.07.2019)

Oberbürgermeister Ulrich Mädge bei der Eröffnung der ehemaligen Pfarrwitwenwohnungen. Foto: Hansestadt Lüneburg(sp) Lüneburg. Zuletzt standen die ehemaligen Pfarrwitwenwohnungen hinter der Bardowicker Mauer, die aus dem 17. Jahrhundert stammen, für längere Zeit leer. Mit Hilfe von Bund und Land sowie Initiativen aus der Stadt konnten die historischen Räumlichkeiten für rund 840.000 Euro saniert und als Erweiterung der Kinder- und Jugendbücherei umgebaut werden. Oberbürgermeister Ulrich Mädge eröffnete die neuen Räume der Kinder- und Jugendbücherei am Freitag, 28. Juni 2019, im Beisein von Förderern, des zuständigen Architekten sowie von Vertretern aus Rat und Verwaltung.

„Bedürftige Pfarrwitwen erleben wir heute zwar nicht mehr“, leitete Oberbürgermeister Ulrich Mädge die Eröffnung ein. „Was wir aber erleben“, so der Oberbürgermeister, „ist der Bedarf an Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche, an Treffpunkten für Familien und auch der Wunsch nach einem zusätzlichen Veranstaltungsort für die Kinder- und Jugendbücherei.“ So verändere sich der Zweck des Gebäudes, der soziale Gedanke aber bleibe. Für ihre Unterstützung dankte der Oberbürgermeister dem Architekten Martin Brüdigam, der das Vorhaben begleitete, sowie dem Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, der Bürgerstiftung und dem Freundeskreis der Ratsbücherei.

Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring ergänzte den Eröffnungsakt durch sein Fachwissen. Foto: Hansestadt LüneburgDie Kinder- und Jugendbücherei hat – entgegen dem Trend – seit 2015 stetig steigende Ausleihzahlen, 2018 gingen rund 111.000 Bücher über den Tresen. Mit den neuen Räumlichkeiten sollen nun in einer zusätzlichen „Bibliothek der Dinge“ bald auch besondere Gebrauchsgegenstände ausleihbar sein. Ratsbücherei-Leiter Dr. Thomas Lux stellt dieses Angebot unter das Motto „sharing is caring“, denn manche Dinge müsse man gar nicht selbst besitzen, sondern könne sie mit anderen teilen – zum Beispiel einen 3D-Drucker, der hier vor Ort nutzbar sein soll, eine Action-Kamera oder auch Gesellschaftsspiele.

Entstanden ist auch ein separater Ausstellungsbereich, in dem sich derzeit und noch bis Freitag, 19. Juli 2019, eine Auswahl an „Silent books“, also Büchern ohne Text findet. Antje Bechly, Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei erklärt, dass diese Idee aus der Arbeit mit Geflüchteten entstanden ist. „2015 wurde für Neuankömmlinge im Flüchtlingslager auf der Insel Lampedusa erstmals so eine Bibliothek mit Büchern ohne Worte eingerichtet. Es handelt sich bei diesen stillen Büchern um selbsterklärende Bildergeschichten. Aber die Geschichte muss man sozusagen herausfinden oder entdecken. Das ist manchmal gar nicht so einfach wie man vermuten würde, kann aber helfen, Sprachbarrieren zu überwinden.“ Unterstützt wird die Ausstellung vom Netzwerk Leseförderung Lüneburg.

Das Franziskanerkloster, das heute die Bücherei beherbergt, entstand im 13. Jahrhundert. Die Wohnungen, die als Altersruhesitze für verwitwete Pfarrfrauen und andere Bedürftige eingerichtet wurden, stellten sozusagen den sozialen Wohnungsbau des 17. Jahrhunderts dar. Zuletzt dienten die Räume bis 2001 unter anderem als Unterkunft für obdachlose Menschen. Nun sollen sie ein Treffpunkt und Begegnungsort werden, ein „dritter Ort“, wie Dr. Thomas Lux es formuliert. Was bisher allerdings noch fehlt, ist ein klingender Name, denn „Erweiterung der Kinder- und Jugendbücherei“ könne es nicht bleiben, und „Ehemalige Pfarrwitwenwohnungen“ ebenso wenig...