Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

So viel Streetart auf so kleiner Fläche: Graffiti-Stromkasten-Projekt in Lüneburg erfolgreich (23.05.2019)

Jonathan Sachau und sein Team verschönern Stromkästen in Lüneburg. Foto: Dosenfutter (Fotograf: Malte Schmidt für Dosenfutter)(sp) Lüneburg. Ob ein täuschend echtes Blättermeer, die Lüneburger Salz-Sau oder ein Gummi-Flamingo in knalligem Pink: Wer aufmerksam durch die Hansestadt flaniert, dem fallen sie sofort ins Auge, die vielen Kunstwerke, die die Straßen säumen. Vor fünf Jahren entstand die Idee für das Lüneburger Graffiti-Stromkasten-Projekt – eine Kooperation zwischen der Hansestadt und den Graffitikünstlern der Firma Dosenfutter. Anlass war die immer weiter wachsende Anzahl von Strom- und Telekomverteilerkästen unter anderem im Zuge des Glasfaserausbaus, erinnert sich Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin des städtischen Straßenbauamts.

„Wir dachten damals, dass diese grauen Kästen einfach nur gruselig aussehen und nicht zum Stadtbild von Lüneburg passen.“  Hesebeck hatte deshalb die Idee, Graffiti-Künstler damit zu beauftragen, die Kästen an neuralgischen Punkten in der Innenstadt zu gestalten. Bei der jeweiligen Motivwahl stimmt sich das Straßenbauamt mit dem Künstler Jonathan Sachau und seinem Team ab. Ob historisch oder modern, unauffällig oder in grellen Farbtönen: „Wir schauen jedes Mal, welche Gestaltung in die jeweilige Umgebung passt“, erklärt Hesebeck.
 
Der Stromkasten an der Lünertorstraße weist den Weg zum Stint. Foto: Hansestadt LüneburgEntstanden ist so mit den Jahren eine regelrechte Kunstgalerie in Lüneburg. Während sich im Sültenweg der aufblasbare Flamingo treiben lässt, werden Passanten am Regenrückhaltebecken von einem fotorealistischen Biber begrüßt. Oft verweisen die Werke auch auf nahe gelegene Sehenswürdigkeiten oder Institutionen. So finden aufmerksame Spaziergänger in der Straße Am Berge eine Darstellung der St. Nikolai-Kirche und an den Stromkästen der Musikschule Instrumente. In der Lünertorstraße wurde ein Stromkasten in eine riesige Kamera verwandelt, deren Bildschirm den Alten Kran zeigt. Und wer die Lüneburger Seen noch nicht kennt, der lernt sie auf den Stromkästen Vor dem neuen Tore kennen.

Fast hundert Kunstwerke sind mittlerweile in der Hansestadt zu entdecken. Und es werden sicherlich noch mehr werden, verrät Uta Hesebeck: „Die Reaktionen der Bürger sind fast durchweg positiv, einige haben sich sogar schon zusammengetan, um selbst ein Kunstwerk in ihrer Wohnumgebung in Auftrag zu geben“, erzählt Hesebeck. Zugleich seien die Graffitis ein wirksamer Schutz gegen ungewollte Schmierereien. „Das klappt nicht immer, aber oft“, so Hesebeck.

Auch Jonathan Sachau ist von dem Projekt und seiner Dynamik begeistert: „Wir verbinden das Nützliche mit dem Schönen und machen Lüneburg dadurch zugleich einzigartig.“ Denn so viel Streetart auf so kleiner Fläche, das könnten die wenigsten Städte bieten.

Insgesamt gibt die Hansestadt jährlich rund 10 000 Euro für die Verschönerungen aus. Dazu zählen auch die Kosten für Nachbesserungen und Pflege der Kunstwerke. Neben den Strom- und Verteilerkästen kooperiert die Hansestadt auch bei der Gestaltung größerer Flächen wie Brücken oder Parkhäusern mit den Graffitikünstlern.

Eine ganz neue Kunstsprache bringt in den nächsten zwei Wochen eine Malerin aus den USA mit in die Hansestadt. Juliene Sinclair kommt aus Montana und hat vor einigen Jahren in Lüneburg gelebt. Sie wandte sich mit dem Wunsch an die Stadtverwaltung, Lüneburg ein Kunstwerk zu schenken und eine Wand bemalen zu dürfen. „Wir haben uns daraufhin auf die Suche nach einer geeigneten Fläche gemacht“, erzählt Hesebeck. Fündig geworden sei man schließlich Am Alten Eisenwerk. Dort wird die Künstlerin ab kommender Woche eine Betonwand neu gestalten. „Wir haben das Motiv miteinander besprochen, ich bin aber dennoch sehr gespannt, was dabei raus kommt“, so Hesebeck. Sollte das Wetter nicht mitspielen, wird die Künstlerin stattdessen die Wand unter der Brücke zum Baugebiet Ilmenaugarten gestalten.

 

Stromkasten-Graffiti