Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

Sportausschuss spricht sich gegen Kunstrasen aus (07.06.2019)

(sp) Lüneburg. Um mehr Fußballplätze zur Verfügung zu stellen, hatte die Hansestadt Lüneburg vor einiger Zeit angekündigt zu prüfen, ob Zuschüsse für Kunstrasenplätze denkbar seien. Neuere Erkenntnisse, unter anderem des Fraunhofer-Instituts, legen allerdings nahe, dass mit solchen Kunststoffanlagen eine erhebliche Umwelt- und damit möglicherweise auch Gesundheitsbelastung einhergeht. Dies bewog den städtischen Sportausschuss in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag, 6. Juni 2019, zu der Entscheidung, auf Kunstrasenplätze bis auf weiteres zu verzichten.

Hintergrund ist, dass Lüneburger Sportvereine sich seit längerem einen wetterunabhängig nutzbaren Platz vor allem für die Wintermonate wünschen. Derzeit teilen sich mehrere Vereine häufig einen Platz, was zu einer schnelleren Abnutzung und damit zur schlechteren dauerhaften Bespielbarkeit der vorhandenen Flächen führt. Kunstrasen war hier als eine mögliche Lösung ins Gespräch gebracht worden. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand, so Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Ausschuss, könne die Verwaltung ein Kunstrasenprojekt jedoch „nicht verantworten“. Der Ausschussvorsitzende Henrik Philipp Morgenstern merkte hierzu an, dass die Stadt gewisse Erwartungen gegenüber den Vereinen geweckt habe. Deshalb sei es nun erforderlich, vom Kunstrasen Abstand zu nehmen, um ein klares Zeichen zu setzen.

Das Problem besteht darin, dass Mikroplastik-Partikel, mit denen Kunstrasen standardmäßig verfüllt werden, durch Abrieb und Witterung in den natürlichen Kreislauf und damit in das Grundwasser gelangen können. Zudem sind die Materialien derzeit so gut wie nicht recyclingfähig. Laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr stellen Kunststoffrasen-Spielfelder in Deutschland sogar die fünftgrößte Quelle für Mikroplastik-Emissionen dar. Alternativen aus Kork oder Quarzsand sind zwar möglich, bieten aber schlechtere Spieleigenschaften und müssen außerdem aufwändig importiert werden. Bis die Verfülltechnik hier einen Schritt weiter ist, schlug Oberbürgermeister Ulrich Mädge vor, zunächst auf weitere Naturrasenplätze zu setzen. Konkret sind zwei Spielflächen im Bereich des Sportparks am Kreideberg denkbar. An dieser Stelle war ursprünglich der Kunstrasenplatz angedacht, nun wolle die Stadt für 2021 entsprechend umplanen.