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Städte gegen die Todesstrafe

Am 30. November 2019 findet auf Initiative der Gemeinschaft Sant’Egidio und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen der XVIII. Internationale Aktionstag gegen die Todesstrafe („Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe”) statt. Auch die Hansestadt Lüneburg unterstützt diese Kampagne.

Seit Beginn der Kampagne im Jahr 2002 wurden in über 100 Ländern Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Zivilgesellschaft durchgeführt, um eine Kultur der Achtung des menschlichen Lebens zu stärken. Der internationale Tag „Cities for Life” ist die weltweit größte Mobilisierung von Städten und Bürgern für die Achtung der Menschenrechte auch in schwierigen Situationen. In Deutschland haben sich in den vergangenen 17 Jahren fast 300 Städte (darunter viele Großstädte wie Berlin, Hamburg, Stuttgart, Bremen, Köln, Leipzig, Hannover) beteiligt. Neu hinzukommen sind in diesem Jahr u.a. Frankfurt und Dortmund. Unterschiedliche Aktionen werden gestaltet, z.B. besondere Beleuchtung bekannter Gebäude, Dichterlesung, Unterschriftensammlung für einen Appell zur Abschaffung der Todesstrafe, Projekte in Schulen etc. 

Im November 2018 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum wiederholten Mal und mit zunehmender Zustimmung eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet (123 Länder stimmten für ein Hinrichtungsmoratorium, so viele wie nie zuvor).
Vieles hat sich in den vergangenen Jahren zum Positiven verändert. Mittlerweile ist die Zahl der Länder auf 140 gestiegen, die die Todesstrafe per Gesetz abgeschafft haben oder in der Praxis nicht mehr anwenden. Europa ist in dieser Zeit zum ersten Kontinent der Erde ohne Todesstrafe geworden (mit Ausnahme von Weißrussland). Diese Tendenz hin zur Abschaffung setzt sich vor allem auch in Afrika fort, wo immer mehr Länder diese Strafe abschaffen. Zuletzt hat der Präsident der Zentralafrikanischen Republik beim Friedenstreffen von Sant’Egidio im September 2019 angekündigt, den Weg der Abschaffung in seinem Land einzuschlagen. In den USA haben vor kurzem die Bundesstaaten Kalifornien und New Hampshire die Todesstrafe abgeschafft; somit ist die Zahl der Bundesstaaten ohne Todesstrafe auf 21 gestiegen. Insgesamt zeigt sich zudem, dass die Zahl der Hinrichtungen in den vergangenen Jahren in den USA weiter abnimmt.

Es ermutigt auch die Entscheidung des Verfassungsgerichtes von Bosnien, in der die Republik Srpska aufgefordert wird, in ihren Gesetzen jeglichen Bezug auf die Todesstrafe zu beseitigen. In den vergangenen Monaten zeigt sich auch ein vermehrtes Interesse der Zivilgesellschaft für die Abschaffung der Todesstrafe: ca. eintausend Personen haben sich bei Sant’Egidio seit Anfang des Jahres gemeldet, um eine Brieffreundschaft mit einem Todeskandidaten zu beginnen. Tausende Bürger aus Europa und anderen Ländern haben sich für den Lebensschutz einiger Verurteilter eingesetzt und Appelle zur Aussetzung der Hinrichtungen unterschrieben.

Leider bleiben aber besorgniserregende Nachrichten nicht aus. Insbesondere aus den Krisengebieten des Nahen Ostens sind im Zusammenhang mit dem Terrorismus steigende Vollstreckungszahlen zu registrieren. Daher bleibt die Bedeutung dieses globalen Einsatzes für eine Kultur des Lebens bestehen und dringend erforderlich. Es gibt in manchen Ländern auch Tendenzen, die Todesstrafe wiedereinzuführen.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 70.000 Mitgliedern in ca. 70 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Seit 1998 engagiert sie sich gegen die Todesstrafe und setzt sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen in der World Coalition against the Death Penalty für ihre universale Abschaffung ein.

Sie hat 2002 die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben/Städte gegen die Todesstrafe“ ins Leben gerufen. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Mitglieder von Sant’Egidio pflegen weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten, unterstützen viele im persönlichen Einsatz und sind weltweit im Einsatz für eine Humanisierung der Haftbedingungen in Gefängnissen insbesondere in Afrika.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.santegidio.de bzw. http://nodeathpenalty.santegidio.org/en.aspx.

Ansprechpartner

Hansestadt Lüneburg

Leiterin Büro des Oberbürgermeisters Stefanie Kibscholl +49 4131 309-3127 E-Mail senden