Erinnerungskultur

Lüneburgs Umgang mit der eigenen Geschichte

Bürgerforum und Symposium zur Erinnerungskultur

Das Mahnmal auf dem Friedhof im Tiergarten. Foto: Hansestadt LüneburgErinnerungskultur: Das Wort kommt ein wenig sperrig daher. Doch der Gedanke, der sich dahinter verbirgt, ist spannend und wichtig für die Geschichte der Stadt. Alles dreht sich um die Frage „Wie soll die Hansestadt Lüneburg mit der eigenen Geschichte umgehen?“ Dabei ist besonders der Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Jede Generation sucht ihren eigenen Weg für die Auseinandersetzung mit dem Thema und in jeder Generation gibt es auch vielfältige Meinungen dazu.

Der Kultur- und Partnerschaftsausschuss (KPA) des Rates der Hansestadt Lüneburg will der Frage der Erinnerungs-und Gedenkkultur näher auf den Grund gehen und hat interessierte Bürgerinnen und Bürger im November 2018 zu zwei Veranstaltungen eingeladen. Beim Bürgerforum sollte zunächst ermittelt werden, wie die Menschen in Lüneburg aktuell über die Erinnerungs- und Gedenkkultur, über Denkmäler und den Umgang mit der Vergangenheit denken. Bei einem wissenschaftlichen Symposium zur Erinnerungs- und Gedenkkultur sprachen Historiker und Historikerinnen und stellten die Entwicklung in Lüneburg in einen größeren Kontext, indem sie auch vergleichende Betrachtungen zu anderen Städten anstellten.

Symposium
Freitag, 30. November 2018, 9:30 bis ca. 18 Uhr, Marcus-Heinemann-Saal des Museums Lüneburg, Eingang Wandrahmstraße.

An diesem Tag treffen sich Historikerinnen und Historiker, um das Thema Erinnerungs- und Gedenkkultur aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten – so zum Beispiel aus kultureller, stadtgeschichtlicher oder militärgeschichtlicher Sicht. Die Veranstaltung ist öffentlich, nach jedem Vortrag haben interessierte Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen oder über das gerade Gehörte zu diskutieren. Das Programm können Sie sich als pdf-Dokument vorab ansehen.

Bürgerforum am 10. November 2018
Offener Austausch im Bürgerforum zur Erinnerungs- und Gedenkkultur am vergangenen Samstag im Technologiezentrum des Handwerks.  Foto: Hansestadt LüneburgWie wollen wir jetzt und zukünftig mit der Lüneburger Geschichte umgehen, vor allem mit der Zeit des Nationalsozialismus? Rund 80 Bürgerinnen und Bürger sind am Samstag, 10. November 2018, im Technologiezentrum des Handwerks bei der öffentlichen Veranstaltung der Hansestadt und des Museums Lüneburg zusammen gekommen, um über diese Fragen zu diskutieren. Oberbürgermeister Ulrich Mädge begrüßte die Teilnehmerinne und Teilnehmer: „Es ist notwendig, im Gespräch zu bleiben. Dieser Dialog hört nie auf. Jede Generation hat andere Vorstellungen, wie mit dem Thema Erinnerungskultur umgegangen werden sollte. Daher ist es so wichtig, dass heute auch junge Menschen dabei sind.“

Moderator der Veranstaltung war Professor Jörg Philipp Terhechte von der Leuphana Universität Lüneburg. Terhechte lobte das Konzept des Bürgerforums. „Wenn ich meinen Studenten sagen müsste, wie sieht demokratische Kultur idealerweise aus, dann so.“ Ziel der Veranstaltung sei es, ein Meinungsbild über die bisherige und zukünftige Form des Erinnerns und Gedenkens zu bekommen. Dabei ginge es nicht darum, Fakten zu vermitteln, sondern die ganze Breite der unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen den Generationen zu betrachten und ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen.

Das machten an zehn Tischen Lüneburger Bürgerinnen und Bürger, Studierende, Ratsmitglieder und Interessierte in kleineren Gesprächsrunden vor und tauschten sich über eigene Erfahrungen, Standpunkte und Ideen für die Zukunft aus. Die Ergebnisberichte aus den Diskussionsrunden haben wir in einem pdf-Dokument zusammengefasst.

 

Zum Thema
Eine jede Generation hat ihren eigenen Weg im Umgang mit der Geschichte. Wollten viele Menschen in den 1950er Jahren aus den verschiedensten Gründen lieber nicht über die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 reden, so bestand schon zwanzig Jahre später ein großer Aufklärungsbedarf. Das Thema ist in Lüneburg gerade wieder aktuell geworden durch eine Diskussion über den Umgang mit einem Gedenkstein für die 110. Infanteriedivision der Wehrmacht, der in den 1960er Jahre aufgestellt wurde und noch heute auf einer Grünfläche Am Springintgut zu finden ist. Einige Stimmen forderten eine Verhüllung oder gar Beseitigung des Steins, andere wollten alles beim Alten lassen und sahen dringlichere Probleme. Der Kultur- und Partnerschaftsausschuss des Rates entschied sich für einen Weg dazwischen: Der Gedenkstein bleibt stehen, doch die Info-Tafel wurde überarbeitet und thematisiert nun auch die Verbrechen, die Soldaten der 110. verübt haben.

Der KPA nahm diese Kontroversen nun zum Anlass, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen und ein Meinungsbild abzufragen. Zur Vorbereitung von Bürgerforum und Symposium sowie sich möglicherweise anschließenden zukünftigen Veranstaltungen und Aktionen wurde eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Heike Düselder, Vorstandsvorsitzende der Museumsstiftung Lüneburg, gegründet. Darin sitzen je ein Vertreter von

  • Geschichtswerkstatt Lüneburg,
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Lüneburg,
  • Euthanasie-Gedenkstätte der Psychiatrischen Klinik Lüneburg,
  • Leuphana Universität Lüneburg,
  • Friedensstiftung Günter Manzke,
  • Stadtarchiv Lüneburg. 
  • Hansestadt Lüneburg.