Lüneburg und die Welt

Naruto (Japan)

{FOTO Japan}

Seit 1974 sind Naruto und Lüneburg Partnerstädte. Die japanische Stadt mit rund 57.657 Einwohnern (Stand: Oktober 2017) ist für ein Naturschauspiel bekannt: durch bestimmte Strömungsverhältnisse bilden sich im Meer nahe der Stadt imposante Strudel.

Das Deutsches Haus in Naruto ist sowohl Museum als auch Begegnungsstätte und gibt Einblick in die deutsche Geschichte Narutos. In der Nähe der Stadt war während und nach dem Ersten Weltkrieg ein Gefangenenlager für deutsche Soldaten. Diese freundeten sich mit den Japanern an und hinterließen einige kulturelle Spuren.

 

{FOTO Ryozenji Tempel in Naruto}

Eine der Lüneburger Salzsauen aus der Salzsau-Parade des Jahres 2000 hat im Deutschen Haus in Naruto eine neue Heimat gefunden. Die Hansestadt Lüneburg entsandte das farbenprächtige Kunstwerk im Mai 2007 als Geschenk an ihre Partnerstadt nach Japan. Eine zweisprachige Tafel informiert Japaner wie Deutsche über die Herkunft der Salzsau. 

Das Deutsche Haus ist auch Sitz der Koordinatorin für Internationale Beziehungen der Stadt Naruto, Lilli Buschmin. Neuigkeiten aus Naruto gibt es in digitaler Form als "Flaschenpost" die Sie hier nachlesen können.

 


 

Tokushima, Naruto, Niedersachsen und Lüneburg unterzeichnen Absichtserklärung

Feierliche Unterzeichnung der Vereinbarung in Tokushima (von links) Narutos Oberbürgermeister Michihiko Izumi, Tokushimas Gouverneur Kamon Iizumi, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Foto: Hansestadt LüneburgUnterschriften leistet Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge täglich viele, doch die vom vergangenen Samstag (27. Mai 2017) war eine ganz besondere. In der japanischen Präfektur Tokushima unterzeichnete er zusammen mit dem Gouverneur der Präfektur, Kamon Iizumi, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und dem Oberbürgermeister von Lüneburgs Partnerstadt Naruto, Michihiko Izumi, vor fast 200 Besuchern und Journalisten eine Vereinbarung. Darin heißt es: „Die Präfektur Tokushima und das Land Niedersachsen, sowie die Stadt Naruto und die Hansestadt Lüneburg haben die Absicht, bezüglich der Aufnahme der Dokumente und Materialien im Zusammenhang mit dem Kriegsgefangenenlager Bando in das UNESCO-Weltdokumentenerbe zusammenzu-arbeiten." Die feierliche Zeremonie hinterließ Eindruck, Oberbürgermeister Mädge sagte: "Es war toll, bei einem solchen Moment, der Geschichte schreiben kann, dabei gewesen zu sein."
 
In der Präfektur Tokushima, zu der auch Naruto gehört, war die Idee gereift, die Dokumente, die aus dem Kriegsgefangenenlager Bando überliefert sind, in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufnehmen zu lassen. Das ehemalige Lager Bando befindet sich auf dem Gebiet der Stadt Naruto. Dort waren im Ersten Weltkrieg deutsche Soldaten inhaftiert. Dank eines menschlichen Lagerkommandeurs konnten die Inhaftierten ein beinahe normales Leben führen. In dieser Zeit sind zahlreiche Dokumente wie persönliche Briefe, Postkarten, Plakate und Artikel aus der Lagerzeitung entstanden und überliefert worden.
 
Die Urkunde nach der Unterschrift. Foto: Hansestadt LüneburgGouverneur Iizumi, Gastgeber bei der feierlichen Unterzeichnung, sagte – in Anspielung auf den amerikanischen Präsidenten Trump: „In Zeiten, in denen erst einmal der eigene Staat im Vordergrund steht, ist es ein starkes Signal, wenn über Staatsgrenzen hinweg eine solch denkwürdige Vereinbarung unterzeichnet wird." Für Niedersachsens Minsterpräsidenten, Stephan Weil, ist es Ehrensache das Vorhaben zu unterstützen. "Das Land Niedersachsen ist seit zehn Jahren mit Tokushima befreundet. Natürlich begleiten wir unsere Freunde bei diesem Schritt", so Weil. Noch länger, nämlich 43 Jahre, sind Lüneburg und Naruto schon befreundet. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb auch Lüneburgs OB Mädge seine Unterschrift unter die Absichtserklärung setzte. „Im Stadtarchiv in Lüneburg ist der Nachlass eines der Gefangenen des Lagers archiviert. Wir haben weit mehr als 100 Dokumente digitalisiert und den japanischen Freunden zur Verfügung gestellt", erklärt Mädge. Das Interesse an der gemeinsamen Geschichte sei hoch und wichtig für die Achtung voreinander.
 
Alle Dokumente und Unterlagen werden aktuell wissenschaftlich untersucht und sollen schließlich Eingang in einen offiziellen Antrag finden, die Dokumente des Lagers Bando in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufzunehmen. Dieser soll im nächsten Jahr gemeinsam bei der UNESCO eingereicht werden.
 
 
Hintergrund
Im Lager Bando, es liegt auf dem Gebiet der Stadt Naruto in der Präfektur Tokushima, waren während des Ersten Weltkrieges deutsche Soldaten inhaftiert. Sie waren zuvor in der deutschen Kolonie Qingdao in China stationiert und dort in Kriegsgefangenschaft geraten. Das Lager Bando unterstand einem japanischen Oberst, der einen sehr menschlichen Umgang mit den Gefangenen pflegte und ihnen ein beinahe normales Leben erlaubte. Es entstanden eine Bäckerei und eine Druckerei, die Gefangenen betrieben Landwirtschaft, machten Sport und bauten sich eigenen Musikinstrumente. Auf diesen Instrumenten spielten die Gefangenen im Jahr 1918, bevor sie entlassen wurden, für die benachbarte japanische Bevölkerung Beethovens 9. Sinfonie mit dem 4. Satz "Ode an die Freude" (auch bekannt unter "Freude schöner Götterfunken"). Das war die erste Aufführung der Sinfonie auf asiatischem Boden. Sie ist seitdem in Japan quasi ein Musik-Heiligtum, in Naruto und Tokushima gibt es im kommenden Jahr zum 100. Geburtstag der Erstaufführung zahlreiche Jubiläumskonzerte, an denen auch Lüneburger Sängerinnen und Sänger teilnehmen werden. Schon im März diesen Jahres war Beethovens 9. bei einem Konzert mit Sängern aus vier Nationen im Lüneburger Audimax aufgeführt worden.
 
Der Geschichte des Lagers Bando widmet sich aktuell auch eine Sonderausstellung des Museums Lüneburg.

Ansprechpartner

Hansestadt Lüneburg

Leiterin Büro des Oberbürgermeisters Stefanie Kibscholl +49 4131 309-3127 E-Mail senden