Pressemitteilungen der Hansestadt Lüneburg

Den Quereinstieg in den Erzieherberuf fördern: Stadt setzt Fachkräfteoffensive des Bundes um (11.09.2019)

(sp) Lüneburg. Qualifiziertes Personal für Krippen und Kindergärten ist extrem knapp - auch in Lüneburg. „Obwohl die Bedingungen in unseren Einrichtungen sehr attraktiv sind, ist es jedes Mal ein Kraftakt, Erzieherinnen und Erzieher für freie Stellen zu finden“, machte Lüneburgs Bildungsdezernentin Pia Steinrücke im jüngsten Jugendhilfeausschuss deutlich. Rund 400 neue Krippen- und Kita-Plätze hat die Stadt Lüneburg in den letzten drei Jahren geschaffen – 300 weitere sind in Planung. „Aber was nützt uns dieser Erfolg, wenn wir kein Personal finden“, so Steinrücke. Schon länger fordert Lüneburgs Bildungsdezernentin deshalb vom Land Niedersachsen, flexiblere Einstiegsmöglichkeiten in den Erzieherberuf zu schaffen. „Wir sollten unbedingt das Potential von Quereinsteigern nutzen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“, so Steinrücke. Darüber hinaus müsse es dringend mehr Alternativen zur schulischen Ausbildung geben, um Interessenten auch eine vergütete praxisintegrierte Ausbildung zu ermöglichen. „Viele Quereinsteiger haben das Interesse am Erzieherberuf, können sich eine schulische Ausbildung ohne Vergütung aber nicht leisten“.
 
Unterstützung auf diesem Weg bietet jetzt das neue Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive“, mit dem der Bund Kommunen dabei helfen will, Nachwuchs zu gewinnen und zu binden. Gefördert werden dabei folgende drei Bereiche: die praxisintegrierte vergütete Ausbildung, die Praxisanleitung von angehenden Erziehern durch professionelle Begleitung und neue Perspektiven für erfahrende Erzieher durch Aufstiegszulagen.
 
Im Jugendhilfeausschuss stellten Anja Katharina Grumann, Teamleiterin Kindertagesstätten und Kita-Fachberaterin Henrike Weßeler vor, welche Bausteine des Programms die Hansestadt Lüneburg umsetzt. „Insbesondere über die Zuschüsse zur vergüteten Ausbildung freuen wir uns sehr“, so Grumann. Denn hier ist die Stadt Lüneburg bereits 2017 unabhängig von der Fachkräfteoffensive eigene Wege gegangen und hat Ausbildungsplätze in Teilzeit für Sozialassistenten bereitgestellt. Mittlerweile können sich hierauf auch Bewerber mit anderen Ausbildungen, darunter etwa Logopäden, Ergotherapeuten oder Heilerziehungspfleger, bewerben. Ein weiterer wichtiger Baustein der Fachkräfteoffensive sind laut Grumann und Weßeler die zusätzlichen Zeitressourcen zur Anleitung von Auszubildenden durch Praxismentoren in den Kitas die finanzielle Förderung von Praxismentoren in den Kitas. „Der Bund unterstützt hier zum einen die Weiterbildung der Praxismentoren als auch eine zeitliche Freistellung, in der sich die Ausbilder den Auszubildenden widmen können.

Seit dem Start der Fachkräfteoffensive im Sommer 2019 hat die Hansestadt Lüneburg hier bereits 13 Fachkräfte qualifiziert. Im kommenden Jahr sollen zehn weitere Erzieherinnen und Erzieher die Qualifizierung Praxismentoring abschließen. „Unser Ziel ist es, möglichst pro Einrichtung zwei Praxismentoren auszubilden und diese langfristig auch als Multiplikatoren einzusetzen“, sagt Kita-Fachberaterin Weßeler.
 
Skeptisch sind Grumann und Weßeler hingegen bei der Umsetzung des dritten Programmbereichs des Bundesprogramms, der Einfügung von Aufstiegsboni für Fachkräfte, die sich weiterqualifiziert haben. „Diese personenbezogene Förderung empfinden viele als ungerecht“, weiß Anja Katharina Grumann. Denn auch Erzieherinnen und Erzieher, die nicht ausgebildete Praxismentoren sind, kümmerten sich um Praktikanten und Fachschüler und leiteten diese an. Hinzu komme, dass der Verwaltungsaufwand für die Beantragung der Zulagen sehr hoch. Im Jugendhilfeausschuss wurde deshalb beschlossen, die Umsetzung des Aufstiegsbonus durch die Verwaltung noch einmal zu prüfen.