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Ochtmisser Kirchsteig: Weitere Verabredungen mit Anwohnern getroffen (05.10.2017)

(sp) Lüneburg. Der Verkehr im Ochtmisser Kirchsteig muss langsamer werden. Da waren sich Bewohner und Verwaltung bei der Anliegerversammlung vor einem Jahr einig, nachdem Teile der Straße im Senkungsgebiet abgesackt waren und es auf einem Grundstück im Juni 2016 zu einem Erdfall gekommen war. Beide Seiten einigten sich damals auf einen neuen Fahrbahnbelag und Inseln, die dazu führen, dass der Verkehr verschwenkt und damit langsamer wird. Auch Tore, die verhindern sollten, dass hohe und damit schwere Lkw über 3,5 Tonnen Gewicht, den Ochtmisser Kirchsteig passieren, standen zur Diskussion.

In der vergangenen Woche (Freitag, 29. September 2017) nun trafen sich erneut Anwohner und die Lüneburger Verwaltung mit Oberbürgermeister Mädge an der Spitze. Ziel war, das Ergebnis der inzwischen ergriffenen Maßnahmen gemeinsam in Augenschein zu nehmen und sich anschließend darüber in der Herder-Schule auszutauschen. Von Anwohnerseite gab es Kritik über die Art des Straßenbelags sowie über die Abmarkierungen der Radfahrstreifen. Diese verursachten Lärm, wenn Autos darüber fahren, hieß es von den Bewohnern des Ochtmisser Kirchsteigs. Außerdem seien die Verkehrsinseln zu kurz. Autos würden bei Gegenverkehr schnell noch drum herum fahren, anstatt davor anzuhalten. Eine der Inseln befände sich zudem an falscher Position, weil sie genau den Abschnitt einenge, an dem die Schüler der Herder-Schule auf die Straße fahren. Das sei gefährlich.

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge und seine Verwaltung sicherten zu, die Kritikpunkte zu prüfen. Außerdem verabredeten sie mit den Anwohnern folgende Maßnahmen:

  1. Wenn der Straßenbelag in ein paar Jahren wieder sanierungsbedürftig ist, wird Kalt-Asphalt verwendet. Wegen der feineren Oberfläche verursachen Autos, die darauf fahren, weniger Lärm. Im vergangenen Jahr stand vorm Winter keine Firma mehr zur Verfügung, die Kalt-Asphalt aufbringt. Deswegen wurde ein anderes Verfahren angewandt.
  2. Die Abmarkierung der Radfahrstreifen wird anschließend lediglich nur noch mit Farbe auf die Straßendecke aufgemalt. Dann halten die Markierungen zwar weniger lang, Kraftfahrzeuge machen beim Drüberfahren aber keine zusätzlichen Geräusche.
  3. Die Inseln werden mit Zwischenelementen um 1- bis 1,5-Meter verlängert. Außerdem sollen sie so befüllt werden, dass keine Erde aus ihnen entweicht.
  4. Die Insel an der Herder-Schule, gegenüber von Hausnummer 34, soll ein paar Meter in nördliche Richtung versetzt werden. Mit der Feuerwehr soll vorbesprochen werden, ob dies machbar ist und sie die Herder-Schule im Notfall dann trotzdem noch von Norden anfahren kann. Eventuell müssen ein bis zwei Parkplätze entfallen, um der Feuerwehr ein Rechtsabbiegen auf das Gelände der Herder-Schule zu ermöglichen.
  5. Geschwindigkeitsmessungen haben ergeben, dass die Hälfte der Autofahrer im Ochtmisser Kirchsteig nicht schneller als 32 km/h fährt. 85 Prozent fahren langsamer als 40 km/h. Damit liegt dieser Wert um 10 km/h niedriger als noch im vergangenen Jahr. Dennoch sollen weitere zwei Geschwindigkeitsanzeigetafeln zum Einsatz kommen, die die Autofahrer auf ihr Tempo aufmerksam machen. Außerdem sollen Untersuchungsergebnisse zur gefahrenen Geschwindigkeit weiter verfeinert werden.
  6. Vorgegebene Höchstgeschwindigkeit im Ochtmisser Kirchsteig ist 20 km/h. Wichtig war den Anwohnern, Auswärtigen zu verdeutlichen, warum dieses Tempo erforderlich ist. Oberbürgermeister Mädge versprach deshalb, dass Schilder ‚Achtung: Senkung!‘ aufgestellt werden.


Die Idee einer Höhen- und darüber Gewichtsbegrenzung von Lkw hat die Verwaltung inzwischen dagegen wieder verworfen. Die Zahl der Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gewicht sei ohnehin zurückgegangen, führte Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann aus. Zudem hätte die Befragung der Anwohner zu diesem Thema kein eindeutiges Ergebnis geliefert. Und schließlich müsse auch ein Verkehr gewahrt bleiben für Anlieferung von Heizöl, Baustoffen und Möbel für die Anwohner. Auch AGL- und GfA-Fahrzeuge müssten den Ochtmisser Kirchsteig passieren können. „Die Höhenbegrenzung hat mehr Nach- als Vorteile“, so Moßmann.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge erteilte außerdem Forderungen nach einer Sackgassen- oder einer Einbahnstraßenlösung eine eindeutige Absage: „Wenn wir die Straße dicht machen, wird der Verkehr in andere Straßen verdrängt. Klagen der dortigen Anwohner können wir nicht gewinnen. Und durch Einbahnstraßen wird, weil sie ohne Gegenverkehr sind, schneller gefahren und nicht langsamer.“ Stattdessen warf Mädge einen Blick in die Zukunft: „Die jungen Leute machen es uns doch vor, die geben ihr Geld lieber anders aus als für das eigene Auto. Sie machen Car-Sharing, fahren Rad und Bus. Dahin müssen wir kommen, nicht nur im Ochtmisser Kirchsteig – zu immer weniger und immer leichteren Autos.“

Zum derzeitigen Stand der Senkung im Gebiet nahm Geologe Thorsten Trapp Stellung. Danach stehen die Senkungen in keinem Zusammenhang mit dem Straßenverkehr, denn die Lösungsprozesse fänden in mehr als 120 Metern Tiefe statt. 15 cm senke sich die Erde dadurch zurzeit im gesamten Gebiet im Durchschnitt. Örtlich waren es mal bis zu 50 cm. Ein Ende sei aber nicht in Sicht. „Die Senkung können wir nicht wegdiskutieren“, schloss Lüneburgs Oberbürgermeister ab, „aber wir können schauen, wie wir damit umgehen!“

In einem Jahr oder wenn es zwischendurch Probleme gibt, will man sich erneut treffen, um zu sehen, wie sich die neu verabredeten Maßnahmen bewährt haben.