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Bauprojekte in der Hansestadt

Neue Hülle, neuer Inhalt, neues Konzept

 

{FOTO Dr. Ulfert Tschirner kümmert sich um die Ausstellungsstücke und entwickelt das inhaltliche Konzept des neuen Museums mit.}

In ganz neuem Licht lässt das neue Museum an der Wandrahmstraße die Themen erscheinen, die bislang im Natur- und im Fürstentummuseum getrennt waren. Voraussichtlich im Frühjahr 2014 soll das neue Museum – der aktuelle Arbeitstitel lautet: Museum Lüneburg Natur MENSCH Kultur – eröffnet werden. Einen kleinen Vorgeschmack auf die interdisziplinäre Ausstellung und ihre interessantesten Stücke wie die Ebstorfer Weltkarte und eine echte Haarlocke von Johanna Stegen gibt Dr. Ulfert Tschirner, der die umfangreiche kulturhistorische Sammlung der Museumsstiftung Lüneburg gesichtet hat und deren Dokumentation vorantreibt. Ein Arbeitsbericht.

Spektakuläre Weltkarte

Ein besonders spektakuläres Ausstellungsstück ist die Ebstorfer Weltkarte – eine der größten und inhaltsreichsten Weltkarten aus dem Mittelalter. Benannt wurde die Radkarte nach ihrem Fund- und wahrscheinlich auch Herstellungsort, dem Benediktinerinnenkloster Ebstorf in der Lüneburger Heide. Für alle, die sich ein genaues Bild von der Karte machen wollen: Die Leuphana-Universität Lüneburg hat sie detailgetreu und aufwendig digital aufbereitet (siehe Link in der rechten Spalte unter "Webtipps").

Hunderttausendfacher Bezug zu Lüneburg

Das Museum hat noch viele weitere Sehenswürdigkeiten wie Skulpturen, Gemälde, Münzen, Gläser, Keramik oder Urkunden zu bieten. Mehr als 100.000 sind es dank der langen Sammlungstradition des Fürstentummuseums insgesamt. „Das Herausragende ist der enge Bezug zu Lüneburg. Jedes Objekt ist ein Fenster in die Kulturgeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Und je dichter das Netzwerk dieser Bezüge ist, desto weiter öffnet sich dieses Fenster“, sagt Ulfert Tschirner, zu dessen Aufgaben auch die Mitarbeit am inhaltlichen Konzept des neuen Museums gehört. Fest steht für Tschirner, dass „sich das Museum durch eine interdisziplinäre Ausstellung auszeichnen wird“. Damit meint der Historiker die Verzahnung der Inhalte und die Verschmelzung der Vorläufer-Häuser zu etwas Eigenständigem, Neuem. Die Inhalte der beiden Häuser ergänzen sich laut Tschirner blendend. Der gemeinsame Ursprung beider Sammlungen lässt sich über die Lüneburger Ritterakademie bis zu den Raritätenkabinetten des 17. und 18. Jahrhunderts zurückverfolgen, in denen naturkundliche und kulturgeschichtliche Gegenstände gleichermaßen vorhanden sein konnten. Von dieser Sammlungstradition zeugt ein im Stil der früheren Zeit eingerichtetes Kabinett, in dem neben optischen Instrumenten und kunstvoll gedrechselten Holzarbeiten die getrockneten Körper eines Hais und eines Krokodils von der Decke herab hängen.

Haarige Analyse
 

{FOTO Bei der Katalogisierung der Ausstellungsstücke entdeckte Ulfert Tschirner Haariges: eine Locke Johanna Stegens.}

Die Locke von Johanna Stegen, auf die Tschirner zufällig stieß, als er die magazinierten Objekte sichtete, bietet beispielsweise Ansatzpunkte für eine naturwissenschaftliche Analyse. Die Haare des Lüneburger Heldenmädchens, das 1813 während der Befreiungskriege zum Sieg der preußischen Truppen gegen Napoleon beitrug, könnten etwa auf historische Umwelt-Einflüsse oder Ernährungsgewohnheiten untersucht werden. So ermöglicht die Anwendung moderner naturwissenschaftlicher Methoden immer wieder ungewöhnliche Blicke auf historische Objekte und Phänomene.

Wandel des Weltbildes

Ausgehend von der oben beschriebenen Ebstorfer Weltkarte soll der Wandel des Weltbildes ebenso zum Thema gemacht werden wie die seit Ausgang des Mittelalters einsetzende Entdeckung, Vermessung und Verwissenschaftlichung der Natur. Das ehemalige Fürstentummuseum verfügt dafür unter anderem über einen großen Bestand an Globen und Karten aus unterschiedlichen Jahrhunderten:
1. Sackglobus aus dem Jahr 1710 von Johann Baptist Homann
2. Asienkarte aus dem Jahr 1650 von Wilhelm Janszoon Blaeu
3. Himmelsglobus aus dem Jahr 1736 von Johann Gabriel Doppelmayr

Identifikation mit der Region

Das neue Museum will den nachhaltigen Umgang der Menschen mit der Natur in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft zeigen. Der Mensch war und ist Gestalter seiner Umwelt – mal mit positiven, mal mit negativen Auswirkungen auf das Gesicht der Stadt und die regionale Kulturlandschaft. Der große bestehende Fundus wird das neue Museum zu einem Ort machen, an dem sich Natur- und Kulturgeschichte in der Hansestadt gemeinsam präsentieren. Das genaue Ausstellungskonzept wird noch weiter entwickelt, aber fest steht bereits: Es soll den Besuchern Freude machen und die Identifikation mit der heimischen Region stärken.

Geschichte des Museums für das Fürstentum und des Naturmuseums
 

 

{FOTO Diese Figur wird wie tausende andere zurzeit für das neue Museum fotografiert und katalogisiert.}

Ludwig Albrecht Gebhardi (1735-1802) gilt als Begründer des ersten Museums in Lüneburg. Der Lehrer an der im Kloster St. Michaelis gegründeten Ritterakademie (höhere Schule für junge Adelige) ordnete die Lehrmittelsammlung und die Ausstellungsstücke der Klosterkirche neu. Allerdings war diese Präsentation zu Anfang nicht öffentlich. Als die Ritterakademie geschlossen werden sollte, wurde 1850 der Verein zur Darstellung und Erhaltung der Altertümer und Kunstwerke der Stadt Lüneburg und des Klosters Lüne gegründet. Ein Jahr später entstand der Naturwissenschaftliche Verein. Beide Vereine übernahmen die Ausstellungsstücke nach Sachgebieten getrennt. 40 Jahre später brachten die Vereine diese Sammlungen wieder gemeinsam in das neu erbaute Museumsgebäude an der Wandrahmstraße ein, das 1891 eröffnet wurde. Ab 1938 gingen die beiden Museen mit dem Auszug des Naturwissenschaftlichen Vereins getrennte Wege. Nun werden die beiden Einrichtungen wieder vereint und wandeln sich zu etwas eigenständigem Neuen.